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08.14.2014

Oberflächendetails

"Der Nächste."

Varko tippte den Hydrospender auf seinem Tisch leicht an und verrieb die Flüssigkeit zwischen seinen Händen. Er hatte schon gehört, dass es ein paar Wochen dauern konnte, bis man sich daran gewöhnt hatte, so viel Zeit außerhalb des Wassers zu verbringen. Die Anpassung an die Arbeit auf der Oberfläche war schwieriger, als er gedacht hatte, doch Varko war fest entschlossen, weiter durchzuhalten.

Als er aufblickte, war ein Fremder zu seinem Tisch gekommen und hielt seine Ausweispapiere bereit. Ein Mensch. Varko fiel es immer noch schwer, ihre Geschlechter auseinanderzuhalten, aber er war sich ziemlich sicher, dass ein Mann vor ihm stand. Auf der Haut des Gesichts waren kleine kybernetische Implantate zu erkennen. Das Fell auf dem Kopf war kurz und stachelig geschnitten – Varko hatte schon ein paar Menschen gesehen, die sich das Fell ganz abrasiert hatten, und konnte nicht verstehen, warum es nicht alle taten. Dann wären sie bei Weitem nicht so hässlich. "Willkommen auf Manaan. Den Ausweis, bitte."

Der Mensch reichte ihm seinen Ausweis. "Danke. Ihr sprecht sehr gut Basic."

Varko versuchte einzuschätzen, ob das ein Kompliment oder Arroganz war. Der Mensch zeigte seine knochigen kleinen Zähne, was bei dieser Spezies ein Zeichen für Freude war, also ging Varko davon aus, dass seine Worte aufrichtig gemeint waren. "Ich habe viele Jahre studiert, danke! Tev Fith, richtig?"
"Ja, Tev Fith, das bin ich. Die meisten Leute sprechen es falsch aus." Seine Zähne waren schon wieder zu sehen, man konnte diesen Menschen anscheinend sehr leicht beeindrucken.

"Ihr kommt also viel herum?" Der Computer zeigte an, dass er ein Bürger der Republik war und listete mehrere Planeten auf, die er bereits besucht hatte.
"Ja, das stimmt. Aber ich bin zum ersten Mal da. Was wohl für die meisten Besucher hier gilt, was?"

"In der Tat." Das Zollzentrum war zusammen mit dem übrigen Geschäftsplatz eröffnet worden, dem ersten Oberflächengebäude seit Jahrzehnten, das für fremde Besucher offenstand. "Was ist der Zweck Eures Besuchs?"

"Ich hatte gehofft, die meiste Zeit draußen auf dem Wasser zu verbringen, aber ich schätze, mein Boss erwartet, dass ich hier auch in bisschen was arbeite." Als Varko nichts erwiderte, fuhr er fort: "Ich betreibe Forschung. Luft- und Wasserproben, Sensorscans, solche Dinge."

"Zu welchem Zweck?"

"Ehrlich gesagt, habe ich den Auftrag gar nicht so genau durchgelesen. Ich glaube, er ist für eine Biotech-Firma. Wahrscheinlich wollen sie ihre Produkte hier verkaufen und sichergehen, dass sie das Klima vertragen. Ich kann die Details beschaffen, falls ich eine Genehmigung oder etwas Ähnliches brauche."
"Nur, wenn Ihr vorhabt, Euch mehr als 200 Meter weit oder 50 Meter tief von dieser Plattform zu entfernen. Der Orden lässt fremde Besucher nur mit spezieller Erlaubnis in diesen Bereich."

"Oh, wisst Ihr, ich bin überzeugt, mein Boss hat den Antrag eingereicht, als er hier war. Vielleicht habt Ihr sogar mit ihm gesprochen. Großer Kerl, glattrasierter Kopf ..."

Der Mensch ohne Fell! Varko wusste, dass er vor Kurzem einen gesehen hatte und nickte bestätigend, da er gelernt hatte, dass Menschen das so tun. "Ja, vor zwei Tagen. Einer der größten Fremden, die ich je gesehen habe."

Noch mehr Zähne. "Könntet Ihr vielleicht nachsehen, ob er einen Antrag für meine Genehmigung eingereicht hat, als er hier war?"

Varko rief die Aufzeichnungen in seinem Computer auf und fand das Bild des größeren Menschen. "Ja, er hat einen Antrag für zwei Tiefenreise-Genehmigungen unter der Oberfläche gestellt, die ab morgen gültig sind." Varko verstummte, als er den Eintrag für die zweite Person sah. "Die zweite Genehmigung ist jedoch für eine völlig andere Person."

Fith verzog seine Gesichtsmuskeln. Verwirrung? "Hm. Dann war es vielleicht gar nicht mein Boss. Aber macht Euch deswegen keine Gedanken."

"Seid Ihr sicher? Vielleicht wurden die Angaben falsch eingegeben." Varko verbarg seine Dateien und ließ nur das Gesicht des größeren Menschen anzeigen, als er den Bildschirm zu Fith drehte. "Ist das Euer Arbeitgeber?"

Fith sah nur kurz auf den Bildschirm. "Nein, für diesen Kerl arbeite ich nicht. Der Boss muss mit einem anderen Zollbeamten gesprochen haben."
Varko nickte erneut. "Ja, so muss es wohl sein. Möchtet Ihr dann einen eigenen Antrag für die Genehmigung einreichen?"

Der Kopf des Menschen bewegte sich langsam von einer Seite zur anderen. "Nein, ich bin sicher, mein Boss hätte den Antrag gestellt, wenn ich eine bräuchte. Ich gehe einfach in meinen Raum und kontaktiere ihn von dort aus."

Varko gab Fith seine Papiere zurück. "Einen angenehmen Aufenthalt, Meister Fith."

"Danke!" Als er fortging, zeigte er wieder seine Zähne.

Varko schloss die Datei zu Fith im Computer und griff erneut nach dem Hydrospender. "Der Nächste."

Der Rest des Tages verlief ohne Probleme. Als Varkos Schicht fast vorbei war, kam ein weiterer Mensch zu seinem Tisch. Dieses Mal schien es eine Frau zu sein, da sie sogar noch mehr Kopffell hatte als der Mann und ihre Haut blasser war. "Willkommen auf Manaan. Den Ausweis, bitte."

Sie zeigte ihre Zähne nicht. "Ihr müsst meinen Ausweis nicht sehen."

Varko stimmte sofort zu.

"Vor zwei Tagen ist hier ein reinblütiger, männlicher Sith eingetroffen. Ihr würdet mir gerne sagen, wo er ist."

Varko war begeistert, dass er helfen konnte. Er rief die Datei in seinem Computer auf und erzählte ihr alles, was darin zu finden war. Dazu gehörte auch die Genehmigung des Sith für Reisen unter die Oberfläche und die seines Gefährten, dem großen Menschen ohne Fell, den Varko vorher irrtümlicherweise identifiziert hatte.

"Danke. Da Eure Arbeit hier nun vorbei ist, ist es wohl Zeit, nach Hause zu gehen, oder? So ein langweiliger Tag wird sicher schon bald in Vergessenheit geraten sein ..."

Sie ging fort und Varko meldete sich am Computer ab und stand auf. Als er durch die Tür seines Apartments trat, fühlte sich sein Kopf auf einmal seltsam an. Er musste wohl zu viel Zeit außerhalb des Wassers verbracht haben, rieb sich am Kopf und zog sich um, um eine Weile schwimmen zu gehen. Selkath gehörten ins Wasser. Sie waren dafür gemacht, sich frei in der Strömung treiben zu lassen, und nicht stundenlang an einem Tisch sitzen zu müssen. Als endlich ins kühle Nass stieg, ging ihm durch den Kopf, dass es an diesem Tag kein einziges interessantes Ereignis gegeben hatte.

Was für ein langweiliger Tag, der schon bald in Vergessenheit geraten sein wird.

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