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Kurzgeschichte: Letzte Reise nach Khar Shian

„Ihr sollt verflucht sein, Besrik! Wenn ich Euch noch einmal dabei erwische, wie Ihr um meine Koje herumschnüffelt –!“
„Hey, hey, immer mit der Ruhe! Ich habe nur ... äh ... meine verlorene Linse gesucht. Ja, ja ...
Nerva drückte Besrik fester gegen die Wand, ihren Unterarm gegen die Kehle des Mon Cal. Sie holte zum Schlag aus, doch bevor ihr Faust das Gesicht des Hackers berühren konnte, erschien ein Schopf aus rotem Haar und zwei zornige Augen zwischen ihnen.
„Genug! Hebt euch das für die Verborgene Kette auf“, bellte Vizla missmutig.
Nerva trat einen Schritt zurück und blickte finster drein. Sie konnte der alten Mandalorianerin vielleicht nichts entgegnen, aber sie konnte ihr zumindest den grimmigsten Blick zuwerfen, den sie aufbringen konnte, als sie zurückging und sich auf ihre Koje fallen ließ.
„Danke, Boss. Ich –”
Vizla wirbelte herum, um den Mon Cal anzusehen. „Genug davon, Besrik. Ich bezahle Euch nicht dafür, Euch den Rest der Crew zu Feinden zu machen. Geht jetzt wieder an die Arbeit.“
Der Hacker blickte sich im Raum um, als ob Vizla mit jemandem – irgendjemandem – außer ihm gesprochen hätte. Er öffnete den Mund, um zu antworten, überlegte es sich anders und stürmte dann aus den Mannschaftsräumen. Vizla folgte ihm, ihre Gedanken ein Sturm rastloser Verärgerung, und als sie die Tür passierte, war er da. Im Gang. Mit einer drohenden Aura, die ihn immer umgab, seit dem Tag, an dem sie ihn aus dieser Zelle befreit hatten.
Beunruhigt vom prüfenden Blick des Sith – scharf wie eine Klinge trotz des Anflugs von Erschöpfung um seine Augen – zog Nerva schnell eines ihrer Vibromesser und reinigte es mit nervösem Eifer in ihrem Schoß. Sie hielt die Augen gesenkt, ihre Hände beschäftigt, bis sie spürte, wie die dunkle, drohende Präsenz endlich aus dem Korridor verschwand.
Sie legte das Vibromesser beiseite und atmete langsam aus. Ohne das vertraute Gewicht des Messers zitterten ihre Hände, und sie schloss die Augen, um sich zu beruhigen. Doch anstatt die Kontrolle zurückzugewinnen, die ihr zu entgleiten schien, hörte sie Stimmen. Zwei von ihnen, Vizla und Besrik, quer durch das ganze Versteck. Die Mandalorianerin gab dem Hacker Befehle für seine nächste Mission, mit dem ausführlichen Beschreibungen, was mit ihm geschehen würde, wenn er etwas vermasselte.
Nerva lächelte in ihrer Koje. Es standen ihr mehrere Wochen ohne Besriks dummes Gesicht um jede Ecke, immer im Weg – bervor.
— — — — —
„Keine Ahnung, warum es sie kümmert, dass Besrik fehlt. Er ist nutzlos.“, grummelte Nerva, während sie Vizla aus der Ferne im alten Lagerhaus beobachtete, das sie für das Treffen gewählt hatten. Sie befragte Besriks Zwischenhändler, der den neuesten Fang des Mon Cal Hacker liefern sollte.
Der alte Sith war auch da, an seinem üblichen Platz neben Vizla, die Arme ungeduldig über der Brust verschränkt als Zeichen seines Desinteresses – unbeeindruckt von den Ausreden des Zwischenhändlers für sein Erscheinen mit leeren Händen.
„Besrik war unsere Eintrittskarte zu diesem Mond, den Heta Kol übernommen hat“, Barlit zuckte mit den Schultern und rieb sich den kurzgeschorenen Hinterkopf. Er verschränkte unbeholfen die Baumstämme, die er Arme nannte, und lehnte sich gegen die Tür zu der Gasse, die sie bewachen sollten. „Wie sollen wir jetzt dorthin gelangen? Wir sind erledigt, wenn wir durch von Sith-kontrollierte Syswteme fliegen, ohne die Aufmerksamkeit von uns abzulenken.“
„So wichtig ist er nun auch wieder nicht.“, spottete Maelee und zog die Riemen ihres Patronengurts um ihren Oberkörper fest. Sie deutete mit einem Kopfnicken auf Vizla und den alten Sith. „Nichts wird die beiden davon abhalten, Khar Shian zu erreichen.“
Barlits und Maelees Geplänkel rückte in den Hintergrund von Nervas Bewusstsein. Das Geschrei im angrenzenden Raum hatte aufgehört. Von Besriks Broker fehlte jede Spur. Doch Nerva konnte immer noch hören, wie Vizla und der Sith sich gegenseitig Vorwürfe machten. Ihre Rufen waren so deutlich, als stünden sie dort, wo jetzt Nervas Crewmitglieder waren.
„Ich hätte Euch nicht für einen solchen Narren gehalten“, knurrte der alte Sith. Nerva bekam Gänsehaut und riskierte einen Blick auf das Paar. Vizla ging neben dem Sith auf und ab, wie ein hungernder Nexu in einem zu kleinen Käfig.
„Habt Ihr eine bessere Idee?“ Schnappte Vizla, ohne ihren Blick vom Boden zu heben, während ihre Schritte weiterhin ihren stetigen Rhythmus fortsetzten.
„Die Stygianische Caldera ist keine feindliche Linie, die ihr durchbrechen könnt. Sie ist unberechenbar und tückisch für die Unvorbereiteten.“ Der Sith stand still, während er Vizlas Bewegung beobachtete - unbewegt von Vizlas Ärger. „Ihr habt Recht, wenn Ihr in einer von den Sith kontrollierten Region vermeiden wollt entdeckt zu werden – aber ohne Vorbereitung auf die Gefahren des Nebels ist das einzige sichere Ergebnis eine Katastrophe.“
„Also gut. Dann benehmt Euch wie ein Sith. Sagt mir, wie wir sonst in den Sith-Raum gelangen, ohne erwischt zu werden.“ Vizlas Stiefel hämmerten weiter über den Metallboden.
„Wir schleichen nicht unbemerkt durch den Sith-Raum. Und eure sture Fixierung darauf, Blutvergießen zu vermeiden, verlangsamt nur unseren Fortschritt!“
„Wofür zur Hölle habe ich euch dann befreit?“ Vizla hielt abrupt inne, Feuer loderte in ihren Augen, als sie den alten Sith mit ihrer Kritik unterbrach.
Er bewegte langsam und zielstrebig seine Arme – so wie Nerva ihre beste Klinge entblößen würde. „Ohne meine Hilfe hättet ihr eure Verfolgung von Heta Kol schon längst aufgeben müssen.“ Er trat auf Vizla zu und ragte über der unbeugsamen Gestalt der Mandalorianerin auf.
Nervas Haut juckte – sie spürte die knisternde Spannung, die gefährlich zwischen den beiden funkte und drohte zu explodieren. Maelee und Barlit sahen überrascht zu, wie sie auf die Konfrontation zustürmte.
Die Worte des alten Sith wurden klarer, je näher sie ihnen kam, je näher der Sith Vizla kam.
„Euer Geist ist so von Besessenheit getrübt, wie er es an dem Tag war, als Ihr zuerst vor meinem Gefängnis auftauchtet. Ich glaubte, dass diese Entschlossenheit uns bis zu unserem Ziel führen würde, aber eurem Zorn fehlt jeglicher Fokus! Dieser blinde Wunsch, eine unbedeutende Rivalin zu töten, die keine wirkliche Bedeutung hat … dieser Wunsch dient weder euren noch meinen Zielen.“
Nerva räusperte sich – sie dachte, sie müsste die Aufmerksamkeit der beiden erregen, um ihren Zorn zu beruhigen –, doch sie spürte bereits die prüfenden Blicke des alten Sith auf sich, während seine Augen noch auf Vizla gerichtet waren.
„Was ist mit Besrik passiert?“ Nerva zuckte innerlich zusammen. Sie würden ihr nie abkaufen, dass ihr das wirklich wichtig genug war, um zu fragen.
„Er ist erledigt.“ Vizlas Blick blieb auf dem alten Sith, die knappen Worte galten nur ihm. „Wir haben einen neuen Weg, um nach Khar Shian zu gelangen.“
Nerva blickte zwischen den beiden hin und her. „Also, was ma–“
„Ne’johaa! Hört auf, Fragen zu stellen“, knurrte Vizla, während sie sich Nerva zuwandte. „Wir wissen, wo die Verräterin ist – jetzt müssen wir nur noch dorthin gelangen. Mehr steckt nicht dahinter.“
Die alte Mandalorianerin blickte an ihr vorbei, in die Richtung aus der sich Barlit und Maelee der Gruppe näherten. Doch bevor sie zu ihnen aufschließen konnten, stürmte Vizla an ihnen vorbei und befahl ihnen mit einer groben Handbewegung ihr zu folgen.
„Lasst uns aufbrechen!“
Nerva musste Barlit und Maelee nicht ansehen, um ihre Besorgnis zu spüren, als sie gingen. Als sie den anderen folgen wollte, hielt etwas sie am Boden fest … der alte Sith und seine drohende Präsenz neben ihr, als er Vizla beobachtete.
„Warum dient Ihr ihr?“
Seine kalte Stimme ließ sie innehalten, sie zuckte bei dieser Frage zusammen. Dienen. Sie fühlte sich krank, aus dem Gleichgewicht gebracht und falsch.
Für einen Moment – nicht länger, als es dauerte, den Gedanken halb zu formen – wollte sie einfach wegzugehen. Doch sie zuckte mit den Schultern, als sie sich umdrehte. Eine Geste der Gleichgültigkeit, die sie definitiv nicht empfand.
„Ihr könnt die Bezahlung nicht schlagen.“
„Lüge“, knurrte der alte Sith, während seine scharfen Augen sie – steif und mit einem Ausdruck vorgetäuschten Trotzes im Gesicht – nach etwas absuchten, das er glauben konnte. „Ihr seid keine Mandalorianerin, und doch macht Ihr ihre Kämpfe zu euren eigenen.“
„Und Ihr tut das etwa nicht? Oder war diese ganze Reise nur eine Gelegenheit für zwei alte Freunde, sich auszutauschen?“
„Was für Anmaßungen. Shae ist mehr als nur fähig. Sie ist mächtig. Loyal. Doch unsere Partnerschaft besteht nur, weil die Macht meinen Weg mit ihrem verschlungen hat …“
Nerva konnte praktisch spüren, wie er sich während er sprach in ihren Gedanken umsah, als wollte er ihre Beweggründe verstehen, selbst wenn sie sie nicht laut ausspricht. Sie schüttelte den Kopf, ein vergeblicher Versuch, das schaurige Gefühl zu vertreiben, doch er ließ nicht locker:
„Ihr folgt ihr, wo Ihr Euch doch Euren eigenen Platz in der Galaxis mit der rohen Macht, die Euch zu Gebote steht, schaffen könntet. Warum fügt Ihr Euch diesem Dasein, der Gesellschaft von abscheulichen Hackern und ziellosen Söldnern, wenn ihr mehr haben könntet …? Wenn Ihr doch alles sein könntet?“
„Weil ich es nicht will.“, entgegnete Nerva wütend; das beklemmende Gefühl, das seine Anwesenheit hervorrief, brach schließlich ihre Zurückhaltung. „Sie ist nützlich, die Macht – doch ich weiß, was mit den Leuten geschieht, die sie besitzen, sobald ihr Sith sie in den Fleischwolf werft. In die Akademie.“
Sie ließ ihre Worte widerhallen, voller Hass und Ekel, während er zuhörte.
„Und ich habe nicht gelogen, was die Bezahlung angeht. Vizla hat immer dafür gesorgt, dass meine Taschen so voll sind, dass ich nie für einen anderen Boss arbeiten muss. Weniger riskant – ich muss mir keine Sorgen machen, dass mich irgendeine gierige Womp-Ratte für einen fetten Zahltag verpfeift. Also ja, wenn sie mich braucht, bin ich da. Da ich ihr meine Freiheit verdanke und so.“
Der alte Sith richtete sich auf, während er höhnisch grinste. „Wenn ihr das wirklich glaubt – dass eure Freiheit eine Schuld ist, die einem anderen zurückgezahlt werden muss – dann seid ihr überhaupt nicht frei.“
„Gut. Ich bin nicht frei. Doch ich bin auch nicht tot – und das habe ich Vizla zu verdanken.“
„Und das ist eure einzige Sorge?“ Die Augen des alten Sith verengten sich, während er jedes enttäuschende Detail in Nervas Antwort sezierte.
Plötzlich spürte sie, wie die scharfsinnige Analyse, die aus seinem Blick zu strömen schien, sich zurückzog. Seine kalten Worte lasteten immer noch auf ihr, als er sich umdrehte und wegging, doch die erdrückende Energie, die ihm stets anhaftete, begann sich endlich aufzulösen.
„Ja! Am Leben zu bleiben ist eine ziemlich große Sorge!“ Erwiderte Nerva in Richtung der zurückweichenden Gestalt des alten Sith. „Aber ich weiß, dass das etwas ist, das ihr Sith nicht begreifen könnt.“
Er hielt inne, stand einen Moment lang still, der sich endlos zu dehnen schien. Nerva spürte, wie ihre Finger taub wurden – was dachte sie sich dabei?
„Die Sith verstehen viele Dinge nicht.“
Die Stimme des alten Sith war gleichmäßig und kühl – das Gegenteil dessen, was Nerva zu hören erwartet hatte. Seine Worte waren erfüllt von einer Überzeugung, die nur die furchtlos Unbeirrbaren wirklich kennen. „Sie weigern sich zu sehen; wie viele Pfade zu Macht wirklich existieren … wie viele davon sie nicht kontrollieren.“
Er blickte über seine Schulter, und von dem Wenigen seines Ausdrucks, das Nerva erkennen konnte, wirkte er … müde. Doch dieser kurze Einblick wurde schnell erstickt und durch den abgehärtteten, finsteren Blick eines kampferprobten Kriegers ersetzt, der seine Armeen auf dem Pfad der Eroberung führte.
„Hört auf, euch vor eurer Stärke zu verstecken. Wenn das vorbei ist, findet einen dieser Pfade. Schmiedet einen, wenn ihr müsst. Beschreitet ihn, stellt euch seinen Schwierigkeiten, beherrscht seine Grenzen. Macht ihn zu Eurem Eigenen.“
Der alte Sith ging weiter, sobald der Befehl seinen Mund verlassen hatte, doch Nerva folgte nicht. Seine Worte verschwammen, drifteten in und aus ihrem Fokus, eine Phrase wurde plötzlich scharf und klar, als er um die Ecke bog.
„Wenn was vorbei ist?“
Sie musste diese Frage stellen. Aber die einzige Antwort, die sie erhielt, waren die verklingenden Schritte des alten Sith auf dem Boden.
— — — — —
Klick … Klick … Klick … Klick … Klick …
Das Geräusch war in der ungewöhnlichen Stille des Verstecks fast ohrenbetäubend. Die Crew hatte kaum Freizeit, doch Vizla ließ sich alle Zeit der Welt, ihnen mitzuteilen, was ihr nächster Schritt sein würde. Also beschäftigte sich Barlit mit Zielübungen, Maelee war auf einer Versorgungsmission, der alte Sith war ... Nerva wollte nicht wirklich wissen, was er im Schilde führte.
Sie blieb im Korridor stehen, als sie herausfand, woher das Geräusch kam: aus dem kleinen Raum – der kaum als Zimmer durchging –, den die Crew als Küche und provisorische Kantine nutzte.
Nerva steckte ihren Kopf durch die Tür; Vizla saß mit dem Rücken zur Tür, ein Bein auf dem Sitz neben ihr abgestützt, den Kopf gesenkt, während ihr Daumen mit dem Knopf an ihrem Holokommunikator spielte. An, dann aus. An, dann wieder aus.
„Rein oder raus, Minerva. „Ihr wisst, ich hasse dieses Herumschleichen, osik“, grummelte Vizla.
Nerva gehorchte, zog einen weiteren Stuhl hervor und ließ sich darauf nieder.
„Das merke ich mir, wenn Ihr mich das nächste Mal bittet, die Verborgene Kette zu überraschen“, sagte sie grinsend und lehnte sich zurück. Aber dieses ständige Geräusch – das Klicken des Holokommunikators in der folgenden Stille – ließ Nervas Auge zucken. Nur um gehässig zu sein, hätte sie beinahe darauf hingewiesen, dass Vizla sie dazu bringen will, sich in den Sith-Raum zu „schleichen“, doch bevor sie es konnte –
„Malgus glaubt, ich müsse meine Leute sammeln – sie sollen uns durch den Sith-Raum bringen.“
Der Name des alten Sith ließ Nerva's Anspannungnoch mehr steigen als das langsame Klick, Klick, Klick.
„So sehr ich es auch hasse, das zu sagen ... vielleicht hat er ja recht.“ Nerva hielt inne, doch Vizla reagierte nicht. Die alte Mandalorianerin starrte, angespannt und voller Entschlossenheit, auf den Holokommunikator. Ihre Knöchel wurden weiß, als sie es fester umklammerte, während ihr Daumen immer noch mit dem Knopf spielte.
„Ich konnte hören, was er zu sagen hatte. Über die Stygische Caldera, wie gefährlich sie ist.“
Klick, klick. Klick, klick.
Nerva seufzte. Würde sie sie wirklich dazu zwingen? Sie dazu bringen, dem alten Sith zuzustimmen? Sie wollte es nicht – doch der Zweifel und die Unsicherheit in Vizlas Kopf beeinflusste sie, immer stärkeund beunruhigender als das Klicken.
„Ich weiß, Ihr habt keinen Plan, wie Ihr uns durch den Nebel bringt. Also ... wenn wir nicht durch die Hintertür gelangen können, was spricht dagegen, uns den Weg nach Khar Shian freizukämpfen?“
Klick, klick. Klick–
Nervas Blick fiel auf den Holokommunikator, dahin, wo Vizlas Daumen endlich aufgehört hatte, diesen verflixten Knopf hin und her zu bewegen. Es war still genug, dass Nerva praktisch die Zahnräder im Kopf der alten Mandalorianerin klicken hören konnte.
Klick.
Dieses Mal war das Geräusch entschlossen. Die Kanäle auf Vizlas Holokommunikator aktivierten sich, und sie straffte die Schultern, als würde sie sich für eine Entscheidung wappnen. Die Sekunden vergingen – doch sie schwieg. Sie beobachtete das Gerät weiterhin, zögernd, als würde sie verzweifelt darauf warten, dass es zuerst sprach. Um ihr den richtigen Handlungsweg aufzuzeigen.
„Die Sith lieben ihr Kanonenfutter. Es spielt keine Rolle, wie viele Verde sie verlieren, solange sie die Schlacht gewinnen. Ich kann nicht einmal zählen, wie viele Soldaten ich durch das Lichtschwert ihres eigenen Meisters habe sterben sehen.“
Nerva blickte wieder auf. Vizlas Blick war immer noch auf den Tisch vor ihr gerichtet, während sie sprach, doch sie war in Gedanken weit weg – stürmte mit einer Vorhut des Imperiums in einer Zeit, bevor sie so viel Verantwortung trug.
„Ich konnte meinen Vorgesetzten in dieser Sache nie zustimmen, als ich auf der Gehaltsliste des Imperiums stand. Deshalb habe ich so lange Theater gemacht, bis sie mich mit jemandem wie Malgus zusammenarbeiten ließen. Er war einer der wenigen Darjetii, die immer die Ehre wählten – selbst wenn es bedeutete, dass er einen anderen Weg finden musste, um die Aufgabe zu erledigen.“
Vizlas verärgertes Schnauben durchbrach die Stille.
„Aber jetzt … wo es um meine Leute geht … will er, dass ich sie ins Feuer werfe. Sie als Schutzschilde benutze und auf ihren Leichen nach Khar Shian wandere.“ Mit einem letzten Klick schaltete sie den Holokommunikator aus und stieß es von sich weg.
Ohne bewusst nachzudenken, schoss Nervas Hand nach vorn und blockierte den Weg des Holokommunikators, als es über die Tischplatte rutschte. Sie lehnte sich wieder zurück, als sie ihren Arm zurückzog.
„Ich habe keine Ahnung, was im Kopf des alten Mannes vorgeht. Ich will es gar nicht wissen. Aber vielleicht hat er es vorgeschlagen, weil er weiß, dass es funktionieren wird. Ich meine, wenn nicht einmal Mandalorianer es schaffen, sich einen Weg durch den Sith-Raum zu bahnen, welche Chance haben wir dann?“
Vizla starrte sie verärgert an und für einen Moment spürte Nerva das gleiche Gefühl, dass auch der Blick des alten Sitz ausgelöst hatte: durchschaut und verachtet, weil sie die Dinge nicht richtig sah.
„Sie sind kein Kanonenfutter.“ Vizla blickte finster drein und fuhr von ihrem Sitz auf. Ihr Blick fiel wieder auf den Holokommunikator auf dem Tisch, ihre Fäuste ballten sich und entspannten sich in einem gleichmäßigen Rhythmus. Wie das Klicken des Knopfes an ihrem Holokommunikator, hin und her. Wie die Optionen in ihrem Kopf, zwischen denen sie sich nicht entscheiden konnte.
„Ich werde niemanden anrufen und sie bitten, Treffer für mich einzustecken, nur weil der Druck groß ist.“ Besonders keine Mandalorianer! Wenn ich das tue, wozu war ich dann überhaupt da –”
Vizlas Hände wurden schließlich still, bis auf das gelegentliche Zucken eines Abzugsfingers. Sie rieb sich mit einer Hand übers Gesicht, als sie ausatmete, und es offenbarte etwas – in ihren Gesichtszügen eingegraben –, das Nerva nie für möglich gehalten hätte: Hoffnungslosigkeit.
„Was auch immer Heta auf Khar Shian tut, es ist wichtig. Vielleicht ist es sogar etwas, mit dem wir nicht zurechtkommen.“
Nerva hörte, was Vizla nicht aussprach, verborgen in den Lücken zwischen den Worten: der Grund, warum die ehemalige „Mand'alor die Rächerin“ ihr Volk nicht mit sich in diesen Kampf ziehen würde. Etwas, von dem selbst Nerva wusste, dass kein Mandalorianer es jemals zugeben würde: Ich glaube nicht, dass ich das gewinnen kann.
Also gab sie dieser unausgesprochenen Sorge viel Raum, von dem sie wusste, dass die alte Mandalorianerin ihn zu schätzen wüsste. „Haben wir den Sith nicht deshalb mitgebracht?“ Nerva schnaubte trocken amüsiert und stand vom Tisch auf.
Vizla stieß ein humorloses, ungläubiges und unüberzeugtes Lachen aus und wischte ihren Holokommunikator vom Tisch. „Mit dem werden wir auch nicht fertig …“
Ihre Brauen zogen sich besorgt zusammen, als ihre Worte verklangen. Sie rang mit dem, was sie sagen wollte – etwas Seltenes für die alte Mandalorianerin.
„Ich weiß, wie sich das anhört. Nach allem, was ich gerade gesagt habe … Euch und Maelee und Barlit mitzunehmen, aber nicht meine Leute.“
Nerva runzelte die Stirn. „Ihr müsst das nicht erklären –“
„Nein, ich muss“, unterbrach Vizla sie bestimmt. Sie musste das sagen, und jemand musste es hören.
„Das hier … all das – ist mein Chaos. Zu Jekiah und meinen Trat’ade und allen, die töricht genug waren, jemals auf meiner Seite zu sein, zurückzulaufen und sie hinter mir herzuziehen … das macht das Chaos nur noch größer. Alles, was ich brauche, sind ein paar gute Blaster und die Leute, von denen ich weiß, dass sie mir helfen werden, das hier endgültig zu beenden.“
Vizla atmete aus und presste sich ärgerlich die Finger zwischen die Brauen.
„Wenn Ihr wollt, dass es hier für Euch endet, würde ich es Euch nicht übel nehmen.“ Und ich werde es Euch nicht übel nehmen, wenn Ihr hier aufgebt. Aber bevor Ihr Euch entscheidet … wisst, dass Malgus nach Khar Shian muss.“
Sie nahm ihre Hand von ihren Augen, gehärtet mit fester Entschlossenheit. „Trotz all seines Tobens und Wütens weiß er, dass er ohne Transportmittel nicht dorthin gelangt – und wir sind alles, was er hat. Er wird nicht zulassen, dass uns in diesem Nebel etwas zustößt.“
Stille legte sich zwischen die beiden, was Nerva erlaubte, jedes Wort der alten Mandalorianerin abzuwiegen – und die unausgesprochene Realität dahinter: Das ist ihre Entscheidung; nichts kann sie vom Gegenteil überzeugen.
Aber Nerva konnte nicht umhin, es trotzdem infrage zu stellen.
„Er muss damals etwas wirklich Besonderes getan haben, damit Ihr ihm immer noch so sehr vertraut.“
Vizla schüttelte den Kopf. „Er und ich haben eine Abmachung. Mehr ist es nicht. Und eines hat sich nicht geändert, seit ich das letzte Mal an seiner Seite gekämpft habe … der alte Gorax versteht immer noch etwas von Ehre. Meistens.“
Die alte Mandalorianerin steckte ihren Holokommunikator in ihre Tasche. Entschlossen. Endgültig.
„Macht Euch bereit, morgen aufzubrechen.“
— — — — —
„Die Navigation ist ausgefallen!“ Barlit schrie über das Brüllen von "Der Flüsterer" hinweg – nicht das ihrer Triebwerke, sondern das des Staubsturms, der die Außenhülle der Fähre gnadenlos bombardierte, während es durch den Nebel raste.
„Die Navigation ist nicht weg, haar’chak, nur … nicht auf Kurs.“ Neben Barlit flog Vizlas Hand – beunruhigend ruhig – über die Steuerung.
„Ich habe euch gewarnt, dass das passieren würde.“, knurrte der alte Sith hinter Vizla, während er eine wütende Faust gegen die Decke stemmte, als das Shuttle ruckte.
„Dann tut etwas dagegen!“
"Der Flüsterer" neigte sich, und der alte Sith stabilisierte seine Haltung und weigerte sich zu handeln. „Das habt Ihr euch ausgesucht! Es ist Eure Fehlkalkulation, die ihr korrigieren müsst. Ihr müsst uns jetzt hindurch führen!“
Die letzten seiner Worte hallten laut in Nervas Ohren wider – was offensichtlich genau seine Absicht war. Ihr Kopf schnellte zu ihm herum, ihr Blick eine feurige Anklage des Unglaubens, trotz ihrer wachsenden Panik. Wie einfach er das beheben könnte, anstatt einen kleinlichen, selbstgerechten Punkt zu beweisen: ihr, Vizla und sich selbst.
Die Lichter auf dem Kontrollkonsole von "Der Flüsterer" blinkten auf und wieder aus, begleitet von einem erschreckend schrillen Alarm. Vizlas Hand flog über die Steuerung, ballte sich fest zur Faust und schlug dann hart auf die Konsole. In einem Wirbel aus Rot und Metall riss sie sich von ihrem Sitz los und stürmte auf den starrsinnigen Sith zu.
Nerva schlüpfte schnell auf den leeren Stuhl, schnallte sich an und betätigte nutzlos Schalter und Hebel. Die Anwesenheit der anderen war erstickend um sie herum: Barlit versuchte verzweifelt, die Triebwerke wieder mit Strom zu versorgen, seine Finger zitterten und tasteten umher; Maelee stand wie erstarrt da, die Augen weit aufgerissen vor Schrecken; und Vizla stand vor dem alten Sith – ein Akkhund, bereit, seine Beute zu zerfetzen.
Durch das Fenster vor Nerva zuckten Blitze sengender Energie zwischen Gaswolken hin und her, die Sekunde um Sekunde näher kamen.
„Hey! Wir müssen weg–”
„Kommt schon, hut’uun, Ihr braucht das genauso dringend wie ich! Nein – Ihr braucht es noch dringender!“ Vizlas Hohn, verstärkt durch ungezügelte Wut, hallte über dem unbarmherzigen Brüllen des Nebels und über Nervas dringender Forderung nach Hilfe hinweg.
Nerva riss ihren Kopf zurück zu den Lichtblitzen. Sie wurden größer und heller, als die Fähre erzitterte und sich dem Sturm weiter näherte. Nerva konnte spüren, wie jeder Energieschub durch ihre Nerven, über ihre Haut und jeden Teil ihres Seins zuckte.
„Vizla – kommt her …!“
Nerva spürte den Blick des alten Sith, der sich in ihren Hinterkopf bohrte - selbst durch die überwältigende Kakophonie aus Staub und Blitzen, sowie Vizla, die ihre panische Verzweiflung auf ihn niederprasseln ließ.
„Wir wissen beide, dass du dich nicht ergeben und sterben wirst, bevor du deine Shebs in dieser Maschine hast!“
„Shae–!“ Nerva brüllte, aber die alte Mandalorianerin weigerte sich aufzuhören.
„Hört auf, herumzualbern, und tut endlich etwas!“
„Verdammt!“ Nerva fuhr so heftig und plötzlich aus ihrem Sitz hoch, dass ihre Schulter und Brust den Gurt aus seiner Verankerung rissen, als sie auf die Beine sprang. Sie biss die Zähne vor Schmerz zusammen und stieß ihren Arm wild nach vorne.
Energieblitze rasten auf "Der Flüsterer" zu … nur um dann in die brüllenden Staubwolken um die Fähre herum abzugleiten – abgelenkt von der unsichtbaren Macht-Barriere, die aus Nervas ausgestreckter Handfläche strömte.
Sie erstarrte, den Arm steif und entschlossen ausgestreckt. Der Ansturm der Geräusche, das Geschrei, das Kreischen von Staubpartikeln und elektrischem Strom an der Hülle, das Stöhnen der angeschlagenen und kaputten Systeme von "Der Flüsterer" … alles wurde still, gedämpft, während sie durch den Sturm trudelten.
Als sie endlich die andere Seite des Mahlstroms durchbrachen, knickten Nervas Beine ein und ließen sie in den Sitz an der Steuerung der Fähre fallen. Ihr eigenes, schweres Atmen hallte in ihren Ohren wider, während die anderen nur starrten: Maelee und Barlit unter Schock, der alte Sith in unheilvoller Zustimmung und Vizla … überrascht, aber mit einem Anflug bestätigter Verdachtsmomente.
"Der Flüsterer" trieb weiter, einer Finsternis entgegen, die ohne Chaos und Trümmer auf sie wartete, und dann durch den Rand des Nebels. Das Innere der Stygianischen Caldera. Sith-Raum.
Barlit blinzelte, kam wieder zur Besinnung und tippte schwach auf einen der dunklen Navigationsbildschirme. „Ähm... bin nicht sicher, wo genau wir sind.“ Er legte den Schalter für das Haupttriebwerk mehrmals um, doch es geschah nichts. Seine massiven Schultern sackten herab. „Nicht, dass es darauf ankäme.“
„Nein. Tut es nicht.“ Der alte Sith zeigte in die gewaltige Dunkelheit, die sie ringsum umgab. Vor "Der Flüsterer" – eingebettet zwischen vereinzelten Lichtpunkten – tauchte eine weitere Fähre auf. Das Schiff war größer und massiger, aber eindeutig darauf ausgelegt, sich unbemerkt zu bewegen.
Eine weitere – ihr Zwilling – tauchte direkt dahinter auf, und die beiden Fähren änderten ihre Richtung. Beide steuerten direkt auf "Der Flüsterer" zu.
„Haar’chak, das sind Fähren der Verborgenen Kette“, zischte Vizla leise.
Nerva musste nicht zurückblicken, um zu sehen, was sie spüren konnte: die Hand der Mandalorianerin, die zum Blaster an ihrer Hüfte zuckte. Das grausame, zufriedene Lächeln des alten Sith unter seinem Respirator.
Da sie nichts mehr zu verbergen hatte, stemmte sich Nerva auf die Beine und ignorierte den Schmerz in ihrer Schulter. Sie beugte sich hinunter und riss ihr Vibromesser aus dem Stiefel. Als sie sich wieder aufrichtete, waren die Fähren der Verborgenen Kette – ihre Fahrkarte nach Khar Shian – in Rufweite.
Ein neuer Weg hatte sich aufgetan, und sie waren bereit, ihn zu gehen.


