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07.28.2015

Brüder

Heute sah ich mein Gesicht brennen. Die Haut riss und kringelte sich, als die Feuchtigkeit durch die glühende Hitze verdampfte. Versengtes Fleisch bäumte sich und fiel in einer schwarzen Masse zusammen. Ein blaues Auge - das gleiche, wie ich es habe - fixierte mich. Einen Augenblick später war es das Gesicht eines Fremden. Und wir waren nicht länger Zwillinge.

Die Erinnerung hielt meine Hand umklammert, breitete sich bis zu meiner Wange aus. Die Sanftheit, die ich an meinen Fingerspitzen spürte, überraschte mich. Der Phantomgriff meines Bruders hielt noch immer meinen Arm. Ich spürte, wie sich die Knochen unter seiner Haut reckten, vergeblich versuchten, dem Schmerz zu entkommen. Arcann litt noch Stunden, bevor der Schlaf ihn endlich erlöste.

Mein eigenes Bett blieb leer. Das Laken spannte sich fest und glatt über die Matratze. Auch wenn es kein opulentes Luxusbett war, schien es doch unangebracht. Sein elegantes, einfaches Design war eine Beleidigung des Krieges, der draußen tobte. Ich griff die Decke und rieb damit meine Augen, meine Stirn, meinen Mund ab, befleckte sie mit Schweiß und Sand. Der dreckige weiße Stoff machte mich zornig. Ich ballte die Decke zusammen und warf sie zurück auf die Matratze.

Mein Quartier - nicht viel mehr, als ein glorifiziertes Zelt - täuschte ein Gefühl der Sicherheit vor. Es schützte vor dem Wind und dämpfte die Schreie der Verletzten, aber ich wusste, dass die Kämpfe weitergingen. Darth Atroxa würde nicht so einfach sterben. Ihre Truppen waren ergeben und ehrgeizig, außerdem hatten sie einen starken Überlebenswillen. Aber sie würde fallen. Arcann würde dafür sorgen.

Ich hörte die Schritte des Ritters, noch bevor sie an meine Tür klopfte.

"Tretet ein."

"Eure Hoheit". Sie kniete sich hin und wartete darauf, angesprochen zu werden. Ein ermüdender Brauch, auf den Vater aber bestand.

Mit der Macht zog ich einen Stuhl aus der Ecke des Raumes und setzte mich hin. "Erzählt mir von meinem Bruder."

"Prinz Arcanns Zustand ist stabil." Ihr Gesicht war hinter dem traditionellen Helm der Zakuul-Ritter verborgen. Vater tauschte unsere Wachen regelmäßig aus, damit wir uns nicht an sie gewöhnten. Die Ritter von Zakuul waren unsere Diener, aber seine Anhänger und Untertanen. Er war ihr Gott - wir waren nur eine Erweiterung seines Willens.

"Er ist noch nicht aufgewacht."

Sie zögerte. "Nein, mein Prinz."

Ihre Nervosität ärgerte mich. "Das war keine Frage. Ich würde spüren, wenn er wach wäre."

"Ich ... ja, Eure Hoheit." Ihr Blick war starr auf den Boden gerichtet.

Es war einfach, mit den Rittern zu spielen. Ihre blinde Hingabe zu Vater machte sie zu verletzlichen Zielen. Als Kinder tauschten Arcann und ich unsere Kleidung und spielten ihnen Streiche. Aber jetzt war ich zu alt für solche Spielchen. Ich konnte den Schmutz unter ihrer Rüstung riechen. Diese Ritterin hatte heute mir uns gekämpft - und dafür verdiente sie meinen Respekt.

"Verzeiht mir", seufzte ich. "Ich bin müde. Ist das alles?"

"Der unsterbliche Imperator Valkorion, Schlächter von Izax, verlangt nach einem Bericht." Die Titel sprach sie kaum lauter als ein Flüstern, als würde sie mein Vater niederstrecken, wenn sie sie zu kühn äußern würde.

"Ich werde alleine mit ihm sprechen. Danke." Ich wies sie an, zu gehen.

"Wie Ihr wünscht, mein Prinz", antwortete sie und trat aus dem Zelt heraus.

Ich hörte ihren verklingenden Schritten zu und aktivierte meinen Holokom. Vaters Silhouette erfüllte das Zelt. Er stand aufrecht da, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt. Ich kniete nieder.

"Berichte."

"Unsere Heiler haben versucht, Arcanns Arm zu retten, aber sie hatten keinen Erfolg. Er hat einen kybernetischen Ersatz erhalten. Was die Verbrennungen in seinem Gesicht angeht ..."

"Ein Bericht über den Planeten, Thexan."

Mein Blick schnellte nach oben. "Vater?"

"Dein Bruder hat seine Wahl getroffen. Ich hatte ihm befohlen, auf Zakuul zu bleiben. Nun hat er den Preis für seinen Ungehorsam bezahlt." Seine Stimme war kalt wie Eis.
"Dieser Feldzug war seine Vision", erwiderte ich. "Wir sind dazu bestimmt, zusammen die Kernwelten zu stürzen. In deinem Namen."

"Seine Vision ist begrenzt. Vielleicht öffnet der Verlust des Auges seinen Geist." Es lag weder Wärme noch Bosheit in seiner Stimme. "Und jetzt berichte."

Meine Muskeln spannten sich. Ich war froh, dass Arcann nicht wach war. Seine Geduld mit Vater erschöpfte sich mit jeder Begegnung mehr. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass das seine Art wäre, uns noch stärker zu machen, aber es fiel mir immer schwerer, seinen Zorn zu besänftigen.

Ich räusperte mich und gehorchte. "Akzeptable Verluste auf unserer Seite. Darth Atroxa bleibt eine Gefahr, aber ich bin zuversichtlich, dass sie neutralisiert wird. Mit ihrem Niedergang wird der Sieg uns gehören."

"Unterschätze die Sith nicht", warnte Vater. "Trotz ihrer Eigenarten tun sie alles, um zu überleben. Und im Gegensatz zu den Jedi werden sie nicht durch eitle Ideale oder falsche Moralvorstellungen zurückgehalten."

Ohne auf meine Antwort zu warten, drehte er sich um und beendete die Übertragung.

Ich seufzte. Die Müdigkeit hatte mich mittlerweile eingeholt. Morgen würde der Kampf weitergehen.

Die Präsenz meines Bruders erregte meine Aufmerksamkeit. Ich eilte zum benachbarten Zelt. Drei Droiden und zwei Heiler standen bei Arcann. Das schrille Geräusch eines Bohrers ließ mich zusammenzucken. Arcanns verbleibende Faust verkrampfte sich im Laken, als sie eine Durastahl-Maske an ihm anbrachten.

"Wir sind fertig, Eure Hoheit."

Mein Bruder starrte an die Decke. Die Maske bedeckte mehr als die Hälfte seines Gesichts und umschlang seinen Hinterkopf. Ihr Aussehen hatte nichts Menschliches - sie diente der Einschüchterung, so wie es sich Arcann gewünscht hatte. Am Rand zeichnete sich verbrannte Haut ab - ein Hinweis auf das entstellte Gesicht darunter.
"Lasst uns allein", befahl ich. Die Droiden und Heiler verneigten sich und verschwanden.

Als sie weg waren, entspannte sich Arcann. Seine linke Augenbraue verzog sich vor Schmerz, als er seinen kybernetischen Arm betrachtete. Mein Magen drehte sich um, als wir die Verluste des Tages durchgingen.

"Ein Mann kann alles erreichen, wenn er bereit ist, Opfer zu bringen." Vaters Lehren lagen wie Gift auf Arcanns Zunge. Seine von der Maske modulierte Stimme klang fremd.
"Du hast genug Opfer gebracht", versicherte ich ihm.

"Nein, Thexan." Sein Auge sah mich an. "Das war nur eine Anzahlung. Es wird mehr geben."

Die Zeit dehnte sich, und doch drehte sich die Welt um uns herum weiter. Ich spürte, dass mir mein Bruder entglitt. Auf Zakuul konnten wir uns ohne Worte unterhalten. Wir bewegten uns im Gleichklang, unsere Geister in einem gemeinsamen Fluss vereint. Aber jetzt war er anders. Ich konnte den Zorn spüren, der in ihm brodelte; einen Zorn, den ich nicht teilte.

Ich griff seine metallische Hand. "Wie viel bist du bereit, zu geben?"

"Alles", antwortete Arcann, ohne zu zögern. "Würdest du nicht dasselbe tun?"

"Ich werde für dich kämpfen, Bruder", schwor ich. "Deine Träume sind die meinen."

Kalte Metallfinger drückten meinen Arm und entfachten eine Flamme der Hoffnung in mir. Es heißt, die Zeit heilt alle Wunden.

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