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Shadowflyer
07.02.2012 , 08:44 AM | #4
Alderaan, das Alsakan - Flachland, einige Klicks östlich der Apalis Küste, Republikanisches Gebiet....



Zerklüftet lag die Schlucht vor ihnen. Wie ein tiefer, kurzer Einschnitt in der Natur, klaffte dieser kleine Riss in das Land hinein.
Die Brücke, die einst von einem Volk gebaut wurde, dass sich über die Naturgewalten hinwegsetzen wollte, hing in zwei Teilen darüber. Metallstränge und Duroplastreste hingen im Wind an den Brückenteilen hinunter.
Alte Leuchtpfeiler, die einst einem Reisenden den Weg über den Abgrund erhellten, lagen wie Streichhölzer umgeknickt, wild verstreut umher. Das was noch nicht von Plünderern mitgenommen wurde, verrottet nun langsam, aber stetig vor sich hin. In ein paar Jahrzehnten würden die Brückenreste nachgeben und in einem tosenden ächzen und krachen in die Schlucht fallen, nur um dort in den nächsten Jahrhunderten in den Kreislauf der Natur zurück zu kehren.

Die Schnee bedeckten Felshänge zeugten von der Kälte die hier herrschte. Wie in Zuckerguss getaucht, ragten die Felsen in die Höhe und machten einen Abstieg zu einem lebensgefährlichen Abenteuer.
Ein oder zwei Oro-Bäume lagen verkanntet und vom Sturm umgerissen in der Schlucht. Die breiten Stämme sahen auf dem ersten Blick stabil aus und mochten einen Rancor zu halten vermögen, doch war durch die Eiseskälte die Rinde der Bäume zu einem spiegelglatten Albtraum gereift. Zwei Kristallklare Bergquellen sprudelten durch den Fels in die Tiefe und die Gischt verwandelte sich im Fall zu leichten Eiskristallen, die ihrerseits die Gegend in ein wundervolles Bild tauchten. Und doch erkannte Chrondor auch hier wieder die Zweischneidigkeit des Lebens.... so schön dieses Bild auch war, war es gleichfalls tödlich, sollte man sich unkonzentriert an den Abstieg wagen. So ging es oft einher: Verlockung und Tod.
Ein darüber hinweg klettern, würde genauso aufregend werden, als wenn er versuchen würde in voller Rüstung über ein Drahtseil zu balancieren.
Trotz der Kälte und trotz des Schnees brachen ein paar Blüten durch die Schneedecke und verstreuten einen süßlichen Duft. In rot und gelb und purpur verteilten sich diese kleinen Blüten quer über das Schneefeld.

In einigen Klicks entfernt, sah Chrondor ein paar streunende Vorn-Tiger, die sich in der aufgehende Sonne rekelten. Auf einigen Planeten würde man für das Fell dieser Raubtiere sicher einen guten Preis erhalten, aber das war nicht der Grund für die heutige Jagt. Der Kopfgeldjäger lag zwischen ein paar Felsen und seine schwere Rüstung schien wie erstarrt. Nur das flache auf und ab des Atmens und kleine nebelwölkchen beim Ausatmen verrieten, dass er nicht tot war.
Neben ihm, fast unscheinbar und durch seine Rüstung verborgen, lag sein blauer Schatten. Er spürte ihre Nähe und ihren betörenden Duft, der sich mit den hiesigen Blumen vermischte.
Während er die Umgebung mit dem Feldstecher absuchte, lag sie wie starr in der Schulterstütze ihres Scharfschützengewehres und schaute durch das Biokular ihres Visiers.
Dieses Gebiet war alles, aber nicht so friedlich, wie es augenscheinlich den Anschein erweckte. Nicht weit entfernt war ein republikanischer Wachtposten und das Anwesen des Hauses Teral.
Er hatte selbst bisher noch keinen Kontakt zum Hause Teral gehabt, doch wusste er, dass es dem Imperium nicht gerade verbunden war. Dieser ganze Mix aus republikanischem Abschaum wurde noch durch ein paar Späher des Hauses Ulgo gekrönt.
Ohne etwas zu sagen, deutete Chrondor auf einen dieser Späher, der sich gerade ungeschickt versuchte im Schnee zu tarnen.
Kein Wort wurde gewechselt und doch sah er, dass der Lauf des Gewehres sich wenige millimeter in die Richtung eben jenes armen Trottels bewegte.
Aber er war nicht das Ziel der beiden. Viel mehr war es etwas sehr viel kleineres, etwas dass man diesen beiden nicht zutrauen mochte. Sie waren auf der Jagt nach einem kleinen, fast winzigen Gegenstand, der so selten in der Galaxis war, dass es geradezu an ein Wunder grenzte, solch einen Gegenstand zu erhaschen. Es war ein Ei. Ein schlichtes, Vogelei. Aber dieser Vogel war so selten in der Galaxis, dass diese beiden hartegesottenen Gestalten versessen darauf waren, eines dieser Exemplarer für sich zu ergattern. Chrondor selbst war schon im Besitz eines dieser seltenen Exemplare und nun war es an Snips, sich das ihre zu holen.
Gelegentlich überlegte er, ob er aus dem Ei nicht einfach ein kleines Rüherei machen sollte, doch seit er es in einem gefütterten Etui mit sich führte, verspürte er eine Bindung zu diesem Kleinod, die er nicht näher beschreiben konnte. Egal was er auch tun würde, er würde dafür Sorge tragen, dass dieses Leben existieren würde.
Es machte ihm nicht mal Angst, dass er so dachte und doch war es ein schwer zu fassendes Gefühl. Er, ein Champion der großen Jagt....schützte nun ein Ei eines vom Aussterben bedrohten Tieres.
Innerlich musste er den Kopf schütteln. Da reiste er quer durch die Galaxis, um die tödlichsten und höchsten Kopfgelder einzutreiben und nun.... nun lag er in einer Felsspalte und beobachtete ein Vogelnest.

Eine leichte Bewegung an seiner Seite, mehr das erahnen selbiger, ließ seinen Blick in die gewiesene Richtung schweifen.
Verdammt flüsterte er in die Stille hinein, als er den republikanischen Expeditionstrupp sah. Es mussten mindestens drei sein. Zwei Trooper begannen gerade mit dem Abstieg in Richtung eines der Nester, die Chrondor und Snips im Augen hatten. Somit würde wenigstens noch ein Ziel oben an den Seilen zur Sicherung stehen.
Der blaue Chiss hoffte, dass es sich nicht um machtbegabte handeln würde. Nicht, dass er Angst vor diesen Funkensprühern hätte, aber es würde ihnen zumindest den Überraschungsmoment nehmen. Dann sah er das dritte Ziel an der Felskante auftauchen. Die schwere Rüstung seines Gegners blitzte im Sonnenschein auf und Chrondor ging im Kopf die Chancen durch. Die zwei Ziele in der Wand, würden für Snips kein Problem sein, doch die schwere Rüstung mit der Sturmkanone würde sie in wenigen Augenblicken in Fetzen reißen, bevor sie auch nur ansatzweise den dritten Schuss setzen konnte. Andersrum würden sie den zwei Troopern in der Wand genügend Zeit verschaffen, um das Feuer zu eröffnen, sollten sie zuerst die schwere Rüstung auf dem Felsvorsprung als Ziel wählen.
Somit war das obige Ziel sein Auftrag. Er setzte das Fernglas ab und schaute zu der neben ihm liegenden Chiss und wie so oft in den letzten Wochen blickte sie ihm direkt in die Augen. Trotz der Härte ihres Ausdrucks, trafen ihn ihre Blicke wie stehts irgendwo tief in ihm und für einen kurzen Augenblick vergaß er die drohende Gefahr. Sie waren nur noch beide im hier und jetzt.
Dann nickte er ihr zu und bedeutete ihr, dass er das Ziel oben auf der Felsenkante übernehmen würde, doch auch das war wie alles andere in den letzten Wochen nur noch der Versuch der normalität eines Teams genüge zu tun. Normalität, die bedeutete sich abzusprechen. Sei es mit Gesten, sei es mit Worten .... und doch war es unnötig. Chrondor wusste nicht wie und warum, aber Snips wusste immer, was er dachte.
Nicht, dass es andersrum nicht ähnlich war, aber dennoch verwunderte es ihn, mit welcher Selbstverständlichkeit sie bereits den ersten Trooper ins Ziel nahm. Er tat die Gedanken über das "warum" mit dem lang antrainierten Verständnis von Teamwork ab und bereitete die Booster seines Raketenpacks vor.
Der Kopfgeldjäger spannte die Muskeln unter der schweren Rüstung an und ging im Kopf den Ablauf wie in einem guten Film durch. Schritt eins: Booster zünden und an Höhe gewinnen. Damit wären zwar die Gegner gewarnt, doch die Position von Snips würde durch seine Ablenkung verborgen bleiben. Schritt zwei: Aktivierung des Schildes um eventuel auf ihn gerichtetes Feuer zu kompensieren. Schritt drei: Tot von oben. Er würde den Trooper auf der Felsenkante in den Hagel von Raketen tauchen. Mit etwas Glück dürften die Trooper in der Felsenwand so überrascht sein, dass Snips genug Zeit haben würde, zwei wohl platzierte Treffer zu setzen. Chrondor spekulierte auf die die Dummheit seines Gegners und während dieser nicht wissen würde, worauf er zu erst reagieren sollte, müssten die Raketen ihn bereits in Stücke reißen.
So schlecht standen ihre Erfolgschancen garnicht. Er zählte in Gedanken rückwärts runter..... 3.....2.... 1.....

Doch erstens kam es....
Schritt eins klappte noch, wie geplant. Er stützte sich ab, spannte sich an, zog die Beine nach vorn um in die Hocke zu kommen und zündete die Booster. Das krachen des Raketenantriebs schallte durch die Schlucht und Chrondor gewann schnell an Höhe. Wie erwartet sah er die Überraschung im Gesicht des Troopers auf dem Felsenkamm, doch war es da für diesen schon zu spät. Schritt zwei war ein Automatismus, den Chrondor in den letzten Jahren perfektionierte. Das schild um ihn waberte in einem leichten blauton und sein Raketenwerfer ließ auf den feindlichen Söldner mehrere tödliche Geschosse von oben herabschießen.
Der Kopfgeldjäger lächelte grimmig, als er aus den Augenwinkeln erkannte, wie Snips kurz und bündig die beiden Trooper in den Seilen wie Tontauben aus der Wand schoss. Kurz, präzise und tödlich.

Zweitens anders.....
Während er nun 120 Meter über dem Grund der Schlucht auf seinem Jetpack schwebte -wovon allein die Schlucht schon 100 Meter maß- blitzte sein Energieschild mehrfach auf und Ozon brannte ihm in der Nase. Der Söldner auf der Felsenklippe lag brennend zusammengesackt neben einem Gebüsch...

Und drittens, als man denkt....
Doch der Paramedic, der hinter ein paar Felsen versteckt hockte, schoss überraschend präzise auf ihn. Chrondor machte sich nichts vor, selbst für einen ungeübten Schützen, war der Kopfgeldjäger ein klares Ziel.
Dieser vierte, feindliche Söldner war das Salz in der Suppe und noch während Chrondor sich in der Luft drehte, trafen ihn zwei weitere Schüsse. Ein altes Sprichwort seines Mentors schoss ihm durch den Kopf: Jeder Plan versagt beim ersten Feindkontakt. Die Hydraulik in seiner Rüstung heulte auf und das Jetpack versagte kurzerhand den Dienst. Für den Bruchteil eines Augenblicks hing der blaue Kopfgeldjäger in der Luft. Genau an diesem Punkt, wo die Schwerkraft sich überlegte, ob sie ihn nun dort halten oder ins Verderben ziehen wollte. In einem verzweifelten Anflug von Aussichtslosigkeit, riss er seinen Blaster noch einmal hoch und ließ den Kopf des Paramedics wie in Zeitlupe zerplatzen. Rotes Blut gefroh noch während des Falls zu kleinen Eiskristallen und genau in diesem Augenblick erkannten die Naturgesetze Alderaans den Fehler in dieser Szenerie.
Mit der gesamten Wut der Schwerkraft, zog ihn die Schlucht in die Tiefe. Chrondor, sich noch nicht dem Tode stellen wollend, hämmerte auf den Auslöser des Jetpacks und während er in einer Rauchwolke aus brennender Elektronik rückwärts in die Tiefe fiel, sah er aus den Augenwinkeln den entsetzten Blick zweier, roter Augen.....
Dann rauschte er durch die Äste der beiden Oro-Baumstämme und als er Aufschlug, umfing ihn die glückseelige Schwärze der Ohnmacht.


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