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04.03.2015

Reue

Jace Malcom zupfte seine Hemdsärmel zurecht. Nachdem er den Großteil seines Lebens in Uniform verbracht hatte, war er daran gewöhnt, dass alles die richtige Form haben musste. Seine Lederjacke, die jahrelang in seinem Schrank verstaubt war, spannte etwas an den Schultern und war wohl aus der Mode geraten, wenn er die abschätzigen Blicke der anderen Restaurantbesucher richtig deutete.

Trotz seiner Position als Oberbefehlshaber war Jace nicht oft im Senatsbezirk unterwegs. Er zog eine unverkrampfte Atmosphäre vor. Das "Thranta-Nest" war allerdings bekannt für seinen authentischen Gorakbraten - ein Gericht, das er während seiner Zeit auf Alderaan zu schätzen gelernt hatte. Er hoffte nur, dass das Essen geschmackvoller wäre als die Dekoration. Die Tischtücher aus Killik-Seide und kunstvoll geschnitzten Speisekarten aus Oroholz wurden von kitschigen Holoprojektionen überschattet, die die Landschaft Alderaans zeigten. Natürlich aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg.

Jace atmete tief aus und überlegte, sich einen zweiten alderaanischen Branntwein zu bestellen. Theron verspätete sich. Das war nicht ungewöhnlich, machte die Sache für ihn aber auch nicht einfacher. Er hatte gehofft, dass er sich mit der Zeit besser mit seinem Sohn verstehen würde. Sie hatten ein paar Drinks zusammen getrunken und sprachen gelegentlich über Holo miteinander, aber Jace fühlte sich einfach nicht wie ein Vater. Er musste wohl versuchen, seine Erwartungen realistisch zu halten. Es war Theron gegenüber unfair, dass seine Vorstellung einer Vater-Sohn-Beziehung nicht der Wirklichkeit entsprach. Vielleicht war dies einfach eine weitere Erfahrung, um die ihn das Imperium gebracht hatte.

Jace schob diese Gedanken beiseite, bevor sie ihm den Abend verderben würden. In dem Moment, als er den Kellner zu sich rief, sah er Theron hereinkommen. Er wirkte mitgenommen, hatte dunkle Ränder unter den müden Augen und blaue Flecken verblassten langsam auf seiner Haut.

Es war brutal, wie sehr Theron seiner Mutter ähnelte; und nicht nur in Äußerlichkeiten. Theron und Satele teilten sich viele Verhaltensweisen - sei es ihr Gang oder die Art, einen Stuhl heranzuziehen.

"Entschuldigt die Verspätung", sagte Theron mit kratziger Stimme.

Jace reichte ihm eine Karte. "Seid Ihr in eine Schlägerei geraten?"

"Was? Nein ..." Theron seufzte und fasste sich instinktiv an seine verletzte Lippe. "Ist eine lange Geschichte."

Jace lächelte ihn an. "Also ich habe Zeit."

"Der Oberbefehlshaber der Republik hat Zeit? Mitten im Krieg?", witzelte Theron. "Das bezweifle ich doch stark."

Jace suchte nach den richtigen Worten, die ein Vater sagen würde, nicht ein Kommandant, aber es klang alles zu weich und schmalzig.

Die Gelegenheit verstrich. Theron bestellte einen corellianischen Whiskey und überflog die Speisekarte. "Was kann man hier denn essen?"

"Der Gorakbraten soll gut sein. Wenn Euch nach Geflügel ist ..."

Theron runzelte die Stirn. "Seit Rishi habe ich Schwierigkeiten, irgendetwas zu essen, was mal fliegen konnte."

"Ach ja, stimmt." Jace räusperte sich und suchte die Karte nach einer Alternative ab. Er gehörte zu der Sorte Mann, die erst das Essen und dann das Restaurant wählt. Davon abzuweichen war ungewohnt für ihn.

"Ich probiere das Nerf-Filet. Da kann man wohl nicht viel falsch machen, oder?" Theron warf die Karte auf den Tisch und lehnte sich zurück, während seine Augen den Raum absuchten. Ein SID-Agent durch und durch.

Der Kellner kehrte mit ihren Getränken zurück. Jace fiel auf, dass die Uniform des Kellners ebenfalls aus Killik-Seide bestand und dunkelblau gefärbt war. Wahrscheinlich, um ihre Unterstützung für das Haus Organa zu zeigen. Als der Kellner damit fertig war, die Spezialitäten des Abends herunterzuleiern, nahm er ihre Bestellungen entgegen. Jace hob sein Glas, Theron seines. "Auf die Republik", sagte er.

"Auf die Republik."

Das Restaurant war voller Gäste. Das Lachen einer Frau übertönte das Klirren von Geschirr und die "kultivierten" Gespräche der Oberschicht. Nur ihr Tisch war still.

Jace trommelte mit seinen Fingern auf der meergrünen Tischdecke. "Wann seid Ihr zu zurückgekommen?"

"Vor einer Woche", antwortete Theron. Er sah dabei zu, wie holografischer Schnee auf das Juran-Gebirge fiel.

"Ihr habt wohl viel zu tun, oder?"

Theron lachte. "Nachher muss ich nochmal ins Büro."

Jace ging in seinen Gedanken die Gesprächsthemen durch, die er für heute vorbereitet hatte. Es wäre für sie natürlich leicht, über ihre Arbeit oder den Krieg zu reden. Nachdem er den Yavin 4-Bericht gelesen hatte, war er sicher, dass Theron eine Menge Geschichten darüber erzählen könnte. Allerdings waren das eher Themen für ein Gespräch unter Kollegen. Um seinem Sohn näherzukommen, musste er auf neues Gebiet vordringen.

Jace holte tief Luft und setzte zum Sprechen an. "Wartet jemand Besonderes ..."

Theron verschluckte sich an seinem Whiskey. "Okay, über so etwas reden wir nicht."

"Wir sind Vater und Sohn", stellte Jace barsch fest. "Das ist ein angemessenes Gesprächsthema."

"Habt Ihr in letzter Zeit mit Mutter gesprochen?" Theron klang bei seiner Frage eher amüsiert als boshaft.

"Schon verstanden." Jace lächelte und räusperte sich. "Andererseits wollte ich tatsächlich über Großmeisterin Shan reden."

Theron starrte ihn ungläubig an. "Ist das Euer Ernst?"

Jace hob die Hände. "Hey, ich bin nur neugierig, wie es zwischen euch beiden läuft."

"Hat sie Euch dazu angestiftet?" Therons Verärgerung wuchs mit jeder Silbe. "Seid Ihr hier, um ihren "Agenten" zu überprüfen?"

Jace seufzte. "Nein, so heuchlerisch ist sie dann auch nicht."

"Aber Euch 30 Jahre lang nicht von eurem gemeinsamen Sohn zu erzählen, ist überhaupt nicht heuchlerisch." Theron verdrehte die Augen und kippte seinen Drink hinunter.

"Ich ...", Jace hielt inne, er wollte nicht, dass seine Gefühle in die nächsten Worte einflossen. "Sie hat das getan, was sie für richtig gehalten hat. Vielleicht nicht für Euch oder für mich - aber für die Republik."

"Die Republik", murmelte Theron.

"Sie hat es nie gesagt, aber ich glaube, sie bereut ihre Entscheidung." Jace dachte an seine Unterhaltung mit Satele im Anschluss an die Ascendant Spear-Nachbesprechung. "Wir alle haben Entscheidungen getroffen, die wir bereuen."

Theron sah seinen Vater überrascht an. "Selbst Ihr?"

"Besonders ich." Jace lächelte. Seine Fältchen zogen sich tiefer in sein Gesicht.

Er lehnte sich zurück, als zwei marineblau gekleidete Kellner das Essen an den Tisch brachten. Eine gute Mahlzeit schaffte es immer, die Stimmung des Oberbefehlshabers aufzuhellen. Der Gorak glänzte goldbraun, die knusprige Haut dampfte noch.

"Schmeckt er so wie früher?", fragte Theron, als er sein Steak schnitt.

"Fast", antwortete Jace nach dem ersten Bissen. "Der Trick liegt in den Gewürzen. Die müssen ganz frisch sein."

Die beiden Männer aßen schweigend. Die Holo-Landschaft hinter ihnen zeigte ihnen jetzt das Glarus-Tal, wo sich dunkle Wolken über eisigen Hügel in einem See spiegelten.  

"Ich verstehe, warum sie es getan hat", sagte Theron schließlich. "Ich mache ihr keine Vorwürfe."

Jace wischte sich seinen Mund ab und legte die Serviette gefaltet auf seinen Schoß. "Aber ..."

"Aber ... ich bin nicht wie sie." Theron stützte sich mit den Ellenbogen auf den Tisch. "Vernunft kann keine Gefühle wegwaschen. Und ich weiß nicht, was ich für sie empfinden soll."

Jace schnaubte und verschränkte seine Arme. "Lasst Euch nicht von ihrer harten Schale täuschen. Auch die Großmeisterin hat Gefühle. Sie ist nur wirklich gut darin, sie zu verbergen."

Theron runzelte die Stirn an und spielte an den kybernetischen Implantaten über seinem linken Auge herum. "Ich will keine Details, vor allem nicht nach dem Essen ... aber ... war sie früher auch schon so?"

"Ja. Und nein." Jace grinste und ließ den Branntwein in seinem Glas kreisen. "Sie ging höhere Risiken ein. Ihr wart ihr allergrößtes."

Selbst nach all diesen Jahren fiel es Jace schwer, an seine gemeinsame Zeit mit Satele zurückzudenken. Von den imposanten Holo-Landschaften Alderaans umgeben, schmerzte die Erinnerung umso stärker.

"Ich kann Euch keine Ratschläge geben, Theron. Nicht, wenn es um Eure Mutter geht."

Theron lächelte verschmitzt. "Aber ..."

"Aber", fuhr Jace fort, "Ihr seid ihr wichtig."

"Klar." Theron nickte verbittert. "Noch einen Drink?"

"Nach der Unterhaltung?" Jace zog eine Augenbraue hoch. "Auf jeden Fall."

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