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Die dunkle Seite der Macht


Cisce's Avatar


Cisce
05.21.2012 , 03:03 AM | #1
Aus beruflicher Sicht bin ich fasziniert. Normalerweise würde ich mir nicht die Mühe machen und 20 Minuten meiner kostbaren Zeit für diese Zeilen aufwenden, aber mir brennt es unter den Nägeln.

Ich bin schon etwas älter, stehe mitten im Leben und bin Werber. Creative Director, um genau zu sein. Ich habe lange Zeit in den USA für Blizzard gearbeitet. Auf Agenturseite versteht sich. Ich kam sowohl mit dem Develope Department, sprich den Creatives, als auch mit dem Business Development, dem Marketing, in Kontakt. Als leidenschaftlicher Zocker war das natürlich ein Traumetat. Auch wenn ich eher bei den Shootern zu Hause bin, war ich im richtigen Metier. Aus werblicher Sicht war Warcraft in einem gewissen SInne schon eine Marke. Eine Brand, wie die Amis sagen. Es bestand eine breite Fangemeinde, die sich natürlich hungrig auf WOW stürzten. Falsch machen konnte man aus kommunikativer Sicht eigentlich nichts. WOW war in diesem Sinne unique. Es gab kein Spiel, das es mit WOW aufnehmen konnte. Bei Blizzard saßen hervorragende Leute, die mit Passion und Liebe bei der Arbeit waren: Tolle Editoren, Programmer, Art Directors, Story Writers, wahnsinnige Mathenerds. Selbst für mich, dessen Job es ist, sich jeden Tag spontan etwas auszudenken, für alle möglichen Medien, war das sehr inspirierend.

Um einen adäquaten Vergleich aufzuzeigen, würde ich sagen: Es gab ein Baby und jede Menge Baysitter, die alle ihre gesamte Energie aufbrachten und das Baby pflegten. Sie streichelten es, gaben ihm Milch, achteten darauf, dass es immer gebadet wurde und hüllten es in dicke Handtücher. Sie sangen ihm vor und entwickelten herrliche Spielzeuge, damit das Baby auch immer glücklich war.

Als Werber habe ich natürlich einen etwas anderen "Point of view" auf all das, was man gemeinhin als Produkte bezeichnet. Ich achte wahrscheinlich etwas genauer auf die Art der Kommunikation, aber eben auch nur, weil ich in diesem Sinne ein Professioneller bin. Aber im Endeffekt bin ich wie jeder andere Konsument auch. Ich kaufe ein Produkt. Wenn es mir gefällt, es gut riecht, mich sauber macht, es gut schmeckt, gut aussieht, dann werde ich es wieder kaufen. Tut es das nicht, gebe ich es zurück, reklamiere oder maule in mich hinein und kaufe es eben nicht mehr. So funktionieren wir Konsumenten. Um zu dieser Erleuchtung zukommen muss man nicht mal Werber sein.

Star Wars ist eine Marke. Eine unglaubliche, die seit dem ersten Film funktioniert. Gehe ich in den Hugendubel gibt es einen extra Star Wars Tisch. Es gibt Star Wars Fanclubs. Es gibt "Werbung", ich erinnere an VW, die Darth Vader als süßen, kleinen Jungen zeigt, der verzweifelt versucht die Macht einzusetzen. Greenpeace nimmt die Vorlage auf und strickt daraus einen Anti-Auto Spot. Es gibt herrliche U-Tube Filmchen mit schwäbischen oder bayrischen Syncronfassungen. Figuren, Sammelalben, Stofftiere, Laserschwerter etc. etc. etc. Wer kann nicht aus dem Stehgreif heraus die John Williams Hymne summen?

In einer Zeit, in der Konsumenten mehr Tools als jemals zuvor haben, um ihre Freude, ihren Zorn, Liebe und Wünsche zu publizieren, wirft ein Unternehmen ein Spiel auf den Markt, das seltsamerweise viele dieser Dinge schlicht und einfach ignoriert. Natürlich gibt es wie bei allen Wirtschaftsunternehmen immer sehr viele Komponenten, die Entscheidungen tragen. Das ist in der Werbung so, bei Banken, bei Automobilherstellern etc. Oft ist das politisch motiviert. Oft wirtschaftlich. Manchmal aus persönlichem Ehrgeiz.

Ein von mir sehr verehrter, schon verstorbener Werber, Bill Bernbach, sagte einmal:

"Word of mouth is the best medium of all!"

In Zeiten des Netzes kann dies eine unglaubliche Macht sein. Oder aber man fällt damit brutal auf die Nase. Weil man nicht das erfüllt, was man verspricht oder man den Konsumenten ganz einfach ausgedrückt nicht "ernst nimmt". Denn Konsumenten erwarten im Jahre 2012 einfach mehr. Es reicht nicht mehr aus, sich eine bestehende Marke zu nehmen und auf den Patriotismus jener zu hoffen, die die SW Welt verehren und fest dort verankert sind. Vor allen Dingen dann nicht, wenn der Markt sich ständig verändert und neu entwickelt.

Ein Game ist kein Turnschuh. Ich persönlich weiß, dass ich mit einem Nike Schuh auch nicht höher springe, als mit einem Adidas. Also berufe ich mich auf die Coolness oder die Ästhetik und kaufe dann. Ein MMO hat eine ganz andere Verantwortung. Es muss sehr viel mehr Dingen gerecht werden. Wird das nicht berücksichtigt, wird es sterben, der Konsument wird es vergessen.

Jetzt noch einmal aus professioneller Sicht: Ich bin nicht enttäuscht, ich bin einfach Konsument. Ich werde das Spiel weglegen und werde es auch nicht mehr spielen. Meine Agenten Story konnte ich leider nicht zu Ende spielen, da die "Sternenkammer" Quest einen Bug hat und ich seit 5 Tagen auf die Beantwortung meines Tickets warte. Das Problem scheint seit dem 14.05. bekannt zu sein. Mich ärgert das nicht. Ich ärgere mich über ganz andere Dinge im Leben. Aus beruflicher Sicht bin ich, wie oben schon erwähnt, mehr oder weniger fasziniert, wie mit einem Produkt von solcher Größe umgegangen wird.

Möge die Macht mit euch sein! (Übrigens auch ein fester Bestandteil verbaler Kultur)

Viele Grüße

JPryde's Avatar


JPryde
05.21.2012 , 03:28 AM | #2
Eine interessante Lektüre, auch wenn ich den Grund für den Erfolg von WoW etwas anders begründen würde als Du, aber das gehört hier nicht her.

Die enttäuschte Konsumenten-Position kann ich gut nachvollziehen. Sie ist sicherlich für einige Bereiche (auch bei SWTOR) berechtigt, insbesondere wenn man das Hauptverkaufsargument (die Story) nicht weiterspielen kann, weil sie verbuggt ist. (Tipp: Versuchs mal mit der Umstellung auf den englischen Client für die Quest, das hat schon bei anderen ähnlichen Problemen geholfen. Ist natürlich keine Lösung aber ein "Workaround", wie wir Programmierer sagen).

Ich sehe allerdings auch eine andere Seite hier bei SWTOR... und zwar kommt es mir teilweise so vor... um deine Turnschuh-Analogie aufzugreifen, als würden sich manche wundern, das man mit den Nike-Schuhen keinen Eiskunstlauf machen kann.

Du hast recht, die Erwartungshaltung der Kunden steigt und steigt. Was man als Verkäufer heute noch als "Goldrand"-Lösung an den Kunden bringt, wird in der Folge als "Standard" verlangt.
Allerdings kommt es mir hier so vor, als würden die "Standards" schneller steigen, als realistisch ist. Und von dem "SWTOR-Turnschuh" wird (hier im Forum) nicht nur verlangt, das man damit so hoch springen kann, wie ein Hochspringer, sondern auch so weit wie ein Weitspringer und so schnell laufen kann wie ein Sprinter... Also quasi ein Zehnkämpfer, der allen Spezialisten ebenbürtig ist.... und das ist einfach keine realistische Betrachtungsweise.

Hier bei SWTOR zeigt sich die mediale Gesellschaft von ihrer fiesesten Seite... So wie von Bastian Schweinsteiger zur Zeit (und noch lange) nur das Bild in den Medien sein wird, wie er den Elfer versemmelt und kein Wort darüber verloren wird, wie er sonst gespielt hat, genauso ist die virtuelle Kamera bei SWTOR eben immer auf den Läufer gerichtet, der einen Stein im Schuh hat, dem die Schnürsenkel aufgehen oder dem sich auch mal der ganze Schuh zerlegt. Das zeigt die Kamera (das Forum und die Mundpropaganda) aus 10 Perspektiven und mit 3 Interviewpartnern, das ganze in Slow-Motion und mit Galileo-Mystery Analyse.... Die Läufer, die nebenher laufen und denen der "Schuh" gute Dienste leistet, werden nicht gezeigt und auch nicht interviewed.
~~~ Macht Wächter ~~~
Vanjervalis Chain
Jhoira, Skarjis, Trântor, Ric-Xano, Sabri-torina, Tir-za, Shaina ...
We do not brake for Wookiees !

Urpfel's Avatar


Urpfel
05.21.2012 , 03:42 AM | #3
sehr gut geschrieben!

ich bin auch seit dem ersten film (1978 ?) sw fan.
und ich bin auf vielen ebenen erschrocken, wie mit dem baby umgegangen wird.

im spiel halten mich 2 aspekte, die mir bedingt spass machen.

evtl war es wirklich nur das ziel so und soviel spiele zu verkaufen und nicht etwas langfristiges erschaffen - evtl wurde aber auch einfach nur zu früh releast - ka, interessiert mich (konsument) nicht.

das spiel wurde teilweise genial umgesetzt und andere aspekte sind völlig auf strecke geblieben.

wie mit dem kunden umgegangen wird finde ich auch nicht optimal (informationspolitik, support, etc.)

Oktasmos's Avatar


Oktasmos
05.21.2012 , 04:15 AM | #4
Gut geschriebener Artikel.

Ich denke nicht, dass jeder ein perfektes Spiel erwartet und soll auch nicht Sinn der Sache sein, aber was bei SWTOR fehlt ist die Kommunikation mit dem Kunden.

Wenn ich in einen Laden gehe, versucht mir der Verkäufer ja auch, etwas schmackhaft zu machen, auch wenn ich Bedenken habe. Wenn ich dann nochmal komme, wegen nem Mangel, wird man auf jeden Fall versuchen, mich nicht zu verärgern und als Kunden zu behalten, während man versucht, das Produkt zu richten oder auszutauschen.

Bei SWTOR ist eben keine Kommunikation vorhanden. Tickets werden mehr als dürftig beantwortet, wenn überhaupt. Die Patch Notes kann man vergessen und die Information, was denn nun Sache ist? naja...

Zusätzlich kommt dazu, dass man einfach nicht das Gefühl hat, dass da leute dransitzen, die Ahnung davon haben. Gibt einfach zuviele technische Makel und wenn es Monate dauert, relativ "einfache" und in anderen Spielen durchaus verbreitete Mechaniken ins Spiel zu programmieren (Serverwechsel, ranked BGs, Namens- Aussehensänderung), dann denk ich, dass die SWTOR-Programmierung auch alles andere als zukunftsfähig ist.

Cisce's Avatar


Cisce
05.21.2012 , 09:52 AM | #5
Quote: Originally Posted by JPryde View Post
Eine interessante Lektüre, auch wenn ich den Grund für den Erfolg von WoW etwas anders begründen würde als Du, aber das gehört hier nicht her.

Die enttäuschte Konsumenten-Position kann ich gut nachvollziehen. Sie ist sicherlich für einige Bereiche (auch bei SWTOR) berechtigt, insbesondere wenn man das Hauptverkaufsargument (die Story) nicht weiterspielen kann, weil sie verbuggt ist. (Tipp: Versuchs mal mit der Umstellung auf den englischen Client für die Quest, das hat schon bei anderen ähnlichen Problemen geholfen. Ist natürlich keine Lösung aber ein "Workaround", wie wir Programmierer sagen).

Ich sehe allerdings auch eine andere Seite hier bei SWTOR... und zwar kommt es mir teilweise so vor... um deine Turnschuh-Analogie aufzugreifen, als würden sich manche wundern, das man mit den Nike-Schuhen keinen Eiskunstlauf machen kann.

Du hast recht, die Erwartungshaltung der Kunden steigt und steigt. Was man als Verkäufer heute noch als "Goldrand"-Lösung an den Kunden bringt, wird in der Folge als "Standard" verlangt.
Allerdings kommt es mir hier so vor, als würden die "Standards" schneller steigen, als realistisch ist. Und von dem "SWTOR-Turnschuh" wird (hier im Forum) nicht nur verlangt, das man damit so hoch springen kann, wie ein Hochspringer, sondern auch so weit wie ein Weitspringer und so schnell laufen kann wie ein Sprinter... Also quasi ein Zehnkämpfer, der allen Spezialisten ebenbürtig ist.... und das ist einfach keine realistische Betrachtungsweise.

Hier bei SWTOR zeigt sich die mediale Gesellschaft von ihrer fiesesten Seite... So wie von Bastian Schweinsteiger zur Zeit (und noch lange) nur das Bild in den Medien sein wird, wie er den Elfer versemmelt und kein Wort darüber verloren wird, wie er sonst gespielt hat, genauso ist die virtuelle Kamera bei SWTOR eben immer auf den Läufer gerichtet, der einen Stein im Schuh hat, dem die Schnürsenkel aufgehen oder dem sich auch mal der ganze Schuh zerlegt. Das zeigt die Kamera (das Forum und die Mundpropaganda) aus 10 Perspektiven und mit 3 Interviewpartnern, das ganze in Slow-Motion und mit Galileo-Mystery Analyse.... Die Läufer, die nebenher laufen und denen der "Schuh" gute Dienste leistet, werden nicht gezeigt und auch nicht interviewed.
Lieber JPryde.

Verstehe mich nicht falsch. Ich sitze jetzt nicht vor einem Computer und raufe mir die Haare, weil ich eine Story nicht zu Ende spielen kann. Trotzdem danke für den Tipp mit dem engl. Client. Ein Spiel hat für mich als Konsument keine Priorität im Alltag. Wenn es funktioniert, es mich begeistert und ich eventuell sogar noch etwas lerne, dann zolle ich den Entwicklern in Gedanken meinen Respekt. Schliesslich sind Games keine Randerscheinung mehr, sondern fester Bestandteil unserer Kultur. Und das ist auch gut so.

Auf der anderen Seite darf man aber einfach nicht vergessen: "Der Konsument hat keine Pflichten." Für uns, als Zielgruppe, ist das ein sehr netter und bequemer Aspekt. Wir konsumieren und können uns dazu noch frei entscheiden, was wir am Ende zu uns nehmen. Gegenüber dieser Unbeschwertheit müssen Companies eiserne Regeln einhalten. Andernfalls werden sie abgestraft. Ob es moralisch oder menschlich ok ist, *****torms loszutreten, weil in den Companies ja auch nur Menschen sitzen, darüber lässt sich diskutieren. Im besten Falle sachlich und konstruktiv.

Der Spielemarkt ist milliardenschwer. Über Spiele werden mittlerweile Lifestyles verkauft. Firmen, die Millionen von Dollar in Projekte stecken, "müssen" wie andere Companies auch, ein perfektes Produkt abliefern. Mit perfekt meine ich: Der Inhalt muss funktionieren. Und er muss gepflegt werden. Es ist unheimlich gefährlich Konsumenten zu täuschen oder gar in eine Arroganz zu fallen.

Mit einer solchen Haltung oder Attitüde fügen sich Unternehmen einen immensen Schaden zu, der im schlimmsten Falle irreparabel sein kann. Mein Job ist es täglich darüber nachzudenken. Marken zu schaffen, Images zu kreieren, Emotionen zu wecken, Sympathien für etwas erzeugen. Ich mache das mit Leidenschaft und am Ende zählt für mich: Die "Big Idea". SW ist eine "Big Idea", die Umsetzung wird dieser aber nicht gerecht. Damit meine ich nicht nur die Spielinhalte, sondern alles, was dieses Gebilde ausmacht.

Man darf sich heutzutage keine Fehler mehr erlauben. Geschehen diese trotzdem, wird einem mit der richtigen Reaktion eventuell verziehen. Geschieht nichts, muss man mit allem rechnen, was das Netz und der Consumer zu bieten hat. Das ist oft nicht fair und lässt jeglichen Sportsgeist vermissen. Klar ist der Ton bei einem MMO ein anderer, als in einem Mercedes Benz Forum. Der Hintergrund aber ist oft identisch.

Jetzt habe ich schon wieder sehr viel geschrieben. Aber dafür ist ein Forum ja auch da.

Ich wünsche allen einen schönen Tag.
Cheers

discbox's Avatar


discbox
05.21.2012 , 09:57 AM | #6
Na, als Alternative zum Marken aufbauen gibt es ja die Möglichkeit Marken aufzukaufen. Was EA auch ausgibig praktiziert. Das ist nur leider eine verschwendete Investition, wenn man die Marke dann nicht entsprechend ihrem Image pflegt, sondern dem bisherigen Portfolio anpasst.

Wie hat es mal einer der Otto-Unternehmer so schön gesagt: Jedes Unternehmen hat einen Charakter, wenn es diesen aufgibt bleibt auch der Erfolg aus.

EA kann noch so viele Entwicklerstudios aufkaufen, wenn diese am Ende im EA-Stil arbeiten ist das für die Katz.

JPryde's Avatar


JPryde
05.21.2012 , 10:14 AM | #7
Quote: Originally Posted by Cisce View Post
[...]Man darf sich heutzutage keine Fehler mehr erlauben. Geschehen diese trotzdem, wird einem mit der richtigen Reaktion eventuell verziehen.[...]
Das lustige daran ist eigentlich, das aus meiner subjektiven und ganz klar polarisierten Sicht Blizzard mit WoW sogar mehr Fehler gemacht hat, als Bioware mit SWTOR... aber du hast recht, Blizzard hat das ganze weit besser verkauft.

Als Programmierer stehe ich auf einer ganz anderen Ebene als das Marketing... wir haben bei uns in der Firma natürlich auch eine Marketing-Abteilung und sie fördert nachweislich unseren Umsatz.. selbst wenn sie (für uns deutlich sichtbar) das Blaue vom Himmel herunterlügt.

Eigentlich finde ich das aber eine bedenkliche Entwicklung.

Wenn man WoW und SWTOR beide nimmt und beide Spiele ihrer Marke beraubt und den Hersteller verschweigt, dann bleibt von beiden Spielen absolut gar nichts übrig, was sie als Neueinsteiger in den Markt überleben lassen würde.
Beide Spiele sind größtenteils auf Technologien und Abläufen von Vorgängern aufgebaut und haben überhaupt nur mehr als einen Nischenstatus, weil es aufgrund anderer Produkte desselben Herstellers oder derselben Marke (Bioware, Blizzard, StarWars, Warcraft) eine jeweils riesige Fangemeinde gab.
Blizzard hatte hier noch den kleinen Vorteil, das die Fangemeinde bereits zu 100% aus Computerspielern bestand. Die Masse der StarWars Fans ist hingegen kein Spieler... da hätte auch aus meiner Sicht ein bischen mehr Werbung durchaus gut getan.

Auch jetzt in dieser schweren Zeit wäre es gut, wenn man den Spielern weiterhin Brot zuwerfen würde, wenn es schon keine Spiele gibt (von: Brot und Spiele). Fan Friday soll wieder da sein... ich muss leider zugeben, das ich den letzten Freitag nicht mitbekommen habe und nichtmal weiss, ob da wirklich was gelaufen ist.

Andererseits könnte ich mir als Marketing-Null auch denken, das Bioware und EA in dieser schweren Zeit jetzt keine unerwünschte Aufmerksamkeit erregen wollen und mit dem Paukenschlag von Server-Transfers den ganzen Karren dann wieder auf die Schiene setzen wollen.. Dann hoffentlich als gesamtpaket aus gutem Spiel UND guter Rundumbetreuung, was heutzutage auch Fanarbeit im Forum mit einschliesst.
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Cisce's Avatar


Cisce
05.21.2012 , 10:38 AM | #8
Quote: Originally Posted by JPryde View Post
Das lustige daran ist eigentlich, das aus meiner subjektiven und ganz klar polarisierten Sicht Blizzard mit WoW sogar mehr Fehler gemacht hat, als Bioware mit SWTOR... aber du hast recht, Blizzard hat das ganze weit besser verkauft.

Als Programmierer stehe ich auf einer ganz anderen Ebene als das Marketing... wir haben bei uns in der Firma natürlich auch eine Marketing-Abteilung und sie fördert nachweislich unseren Umsatz.. selbst wenn sie (für uns deutlich sichtbar) das Blaue vom Himmel herunterlügt.

Eigentlich finde ich das aber eine bedenkliche Entwicklung.

Wenn man WoW und SWTOR beide nimmt und beide Spiele ihrer Marke beraubt und den Hersteller verschweigt, dann bleibt von beiden Spielen absolut gar nichts übrig, was sie als Neueinsteiger in den Markt überleben lassen würde.
Beide Spiele sind größtenteils auf Technologien und Abläufen von Vorgängern aufgebaut und haben überhaupt nur mehr als einen Nischenstatus, weil es aufgrund anderer Produkte desselben Herstellers oder derselben Marke (Bioware, Blizzard, StarWars, Warcraft) eine jeweils riesige Fangemeinde gab.
Blizzard hatte hier noch den kleinen Vorteil, das die Fangemeinde bereits zu 100% aus Computerspielern bestand. Die Masse der StarWars Fans ist hingegen kein Spieler... da hätte auch aus meiner Sicht ein bischen mehr Werbung durchaus gut getan.

Auch jetzt in dieser schweren Zeit wäre es gut, wenn man den Spielern weiterhin Brot zuwerfen würde, wenn es schon keine Spiele gibt (von: Brot und Spiele). Fan Friday soll wieder da sein... ich muss leider zugeben, das ich den letzten Freitag nicht mitbekommen habe und nichtmal weiss, ob da wirklich was gelaufen ist.

Andererseits könnte ich mir als Marketing-Null auch denken, das Bioware und EA in dieser schweren Zeit jetzt keine unerwünschte Aufmerksamkeit erregen wollen und mit dem Paukenschlag von Server-Transfers den ganzen Karren dann wieder auf die Schiene setzen wollen.. Dann hoffentlich als gesamtpaket aus gutem Spiel UND guter Rundumbetreuung, was heutzutage auch Fanarbeit im Forum mit einschliesst.
Da gebe ich Dir recht. Blizzard hat das besser verkauft. Wobei ich sagen muss: Sie mussten es nicht wirklich verkaufen, weil sie zu dem Zeitpunkt "outstanding" waren. Die Community hat dies alles hingenommen, weil man eben auf nichts Vergleichbares Zugriff hatte.

Sagen wir mal so. Wir beide sind uns nicht unähnlich. Auch wenn ich als Werber eher dem "Marketing" zugeordnet werde, bin ich wie Du einer, der etwas kreiert. Auch wir haben "echte" Marketing Leute. Die heissen dann "Account Executive", sprich "Berater" und stehen mehr oder weniger immer im Kontakt mit dem Kunden. Ich persönlich habe bei Präsentationen Kundenkontakt oder eben dann, wenn es um kreative Punkte geht. Du proggst. Entweder adaptierst Du, oder Du musst Dir ohne 1:1 Vorlage auf Basis von gewissen Anforderungen was aus dem Hirn klopfen.

Auch das mit den Star Wars Fans und den Spielern von Warcraft ist absolut richtig. Den Vorteil hatte Blizzard. Aber genau hier setze ich ja auch an. Es galt in dem Sinne ja eine Welt zu verkaufen und nicht unbedingt ein Spiel.

Am Ende bist Du keine Marketing Null. Jeder Mensch hat einen Hebel, der umgelegt wird, wenn Dinge in Erscheinung treten. Man muss kein Werber oder Marketingmensch sein, um Dinge deuten zu können. Wir alle sind emotional und reagieren auf das, was um uns herum ist. Was uns in einem Spiel bewegt, berührt uns eventuell auch in unserem privaten Umfeld. Im Umgang mit Freunden, Party, draussen sein, was auch immer. Das Pet als Begleiter in einem Game beruft sich ja auch nur auf einen banalen, psychologischen Effekt: "Jemanden an der Seite zu haben. Nicht alleine zu sein." Eben voll aus dem Leben. Werber versuchen das einfach intelligenter und emotionaler zu verpacken. Dann muss das, was da drin ist, aber auch stimmen.

Das Wichtigste hast Du auch erwähnt: Die bedenkliche Entwicklung zu einer, das lese ich jetzt einfach mal aus Deinem Satz heraus, rein finanziell orientierten Spielkultur, die die Kreativität und Leidenschaft von Entwicklern hemmt und im Kern sogar bedroht.

cheers

Redeyes's Avatar


Redeyes
05.21.2012 , 10:46 AM | #9
grad den punkt mit der mundpropaganda so versteh das word of mouth, kann ja auch gezielt genutzt werde eben manipulation was werbung eben nun ist, jetzt kommt der effekt zu tragen, das a. zufriedene kunden selten positives feedback geben, was dazu führt das b. unzufriedenen zu hauf mitunter auch übertieben flameback abgeben.

Frühe wo nur die poststelle oder die telefonistin belästigt wurde, passiert die jetz so öffentlich das man durch aus den einfluss jetzt erkennen kann, wann ist denn das letze mal ein spiel was schon auf dem markt war von der mehrheit der comm so positiv kommuniziert worden, das man es holen musste?

wenn diese faktoren bekannt sind, wie wahrscheinlich ist es das firmen eben genau diesen effekt nutzen in dem sie bezahlte mitarbeiter auf hetzjagd schickt?

Also wenn ich blizz wäre bzw ein verantwortlicher dort würde ich genau so vorgehen, vlt gibt es sogar eine eigenen abteilung dafür (black ops,, sonderresourcen egal wie mans nennt) so kann man schon im vorfeld verhindern das die konkurrenz zu groß wird.

So wie werbung genutz wird das eigenen produkt anzupreisen wird im gleichen maaß die konkurrenz gebashed, da es in germany lange zeit verboten war direkt vergleichwerbung zu machen alla coke vs pepsi, mußte man andere wege finden, und das internet und die anonymität darin biete ein riesiges feld an möglichkeiten, und wo möglichkeiten sind, werden diese genutzt.

JPryde's Avatar


JPryde
05.21.2012 , 11:15 AM | #10
Quote: Originally Posted by Cisce View Post
Das Wichtigste hast Du auch erwähnt: Die bedenkliche Entwicklung zu einer, das lese ich jetzt einfach mal aus Deinem Satz heraus, rein finanziell orientierten Spielkultur, die die Kreativität und Leidenschaft von Entwicklern hemmt und im Kern sogar bedroht.
gernau das haber ich seit 2004 immer wieder im Vergleich zu EVE-Online gesehen.

EVE ist seit 2003 am Markt und aufgrund der Entscheidungen der Entwickler ist und bleibt es ein Nischenprodukt, das weniger als 1 Mio aktive Abonnenten hat....

Einige hier im Forum würden das sicherlich sofort als "Epic-Fail" abstempeln, aber man darf dabei nicht ausser Acht lassen, das EVE seit nunmehr fast 9 Jahren in einer Branche überlebt hat, die ganze Entwicklerstudios durchgekaut und ausgespuckt hat, und das mit kontinuierlich steigenden Spielerzahlen über die Jahre gesehen.

Dabei hat EVE konsequent die eigene Linie durchgezogen und immer wieder Entscheidungen getroffen, die ausdrücklich gegen den Massenmarkt gehen.

Ein Entwickler von EVE (CCP) hat mal gesagt: (frei übersetzt):
"EVE soll dir nicht den Eindruck vermitteln, in einer heilen Welt und wohlbehütet zu sein. Vielmehr sollst du vom Einloggen an das Gefühl haben in einer grausamen Welt zu überleben, die keine Fehler verzeiht."
Und so ist es bei EVE schon immer und immer noch absolut legal, andere Spieler auszurauben, sie mit Versprechungen in gefährliche Gebiete zu locken um sie dort umzubringen, sich in Gilden einzuschleichen und sie auszuplündern und vieles mehr.
Mit Erscheinen von WoW wurde auch EVE vorrausgesagt, das es stirbt, aber EVE hat sich schlicht geweigert. Vielmehr kamen immer wieder Spieler in den German Channel und haben sich darüber ausgelassen, wie unfair das Spiel doch sei... weil sie nicht auf die Warnungen gehört haben und umgebracht wurden.

Was ich damit sagen will.....
... CCP hat mit EVE eine andere Arbeisweise an den Tag gelegt, als die sogenannten "AAA"-MMOs. Die Entwicklungskosten waren sicherlich deutlich niedriger als die von SWTOR oder WoW... und ganz sicher arbeiten für CCP deutlich weniger Mitarbeiter als für andere Firmen.. trotzdem behaupte ich mal, das der Gewinn, der unterm Strich bei den einzelnen Mitarbeitern ankommt, bei CCP nicht wesentlich niedriger (wenn überhaupt) als bei den AAA-MMO ausfällt. Ob irgendein multinationaler Konzern dabei seinen CEO zum diabolischen Grinsen bringt, kann uns als Spieler doch egal sein.

Ich war immer gerne Spieler eines Nischenprodukts, weil man da ganz einfach näher am Spiel ist. Da hat man noch das Gefühl, das man mit dem Entwickler selbst redet und eben nicht gefiltert durch einen ganzen Ablauf von CM und Teamsitzungen und so weiter und so weiter...

allerdings hoffe ich auch nicht, das sich StarWars zu einem Nischenprodukt entwickelt
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