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Shadowflyer
07.02.2012 , 08:45 AM | #5
Alderaan, das Alsakan - Flachland, einige Klicks östlich der Apalis Küste, Republikanisches Gebiet...irgendwo in 100 Meter Höhe auf dem Stamm eins umgeknickten Oro-Baumes


Rauschen....einfaches, unregelmäßiges Rauschen wie von einem Wasserfall.
Surren.... wie von einem Servo. Was ist Servo? Und ein stetig beständiges .... wie hieß das Wort? Piepen. Ja. Ein digitales Piepen. Was ist digital?

Dann setzten die Schmerzen ein. Erst war es nur ein leises, schleichendes Gefühl im Kopf. Langsam, wie kleine Ameisen, kroch das dumpfe Pochen die Wirbelsäule entlang, bemächtigte sich seines Kleinhirns. Der Schmerz war erst nicht konkret zu fassen. Vielmehr war es erst ein zartes anklopfen und die Ankündigung des "hier bin ich". Dann wanderte der Schmerz langsam die einzelnen Regionen in seinem Schädel entlang, nur um sich knapp über dem Nasenbein mit einer kaskadenartigen Explosion durch seinen ganzen Kopf den Weg zurück in seinen Körper zu schlagen.
Kein klarer Gedanken war zu fassen, kein anderes Gefühl als Schmerz durchflutete seine Synapsen. Nichts füllte ihn gerade so aus, wie diese eine Empfindung.

Dann begann sein Verstand langsam, wie in einer Tretmühle, zu arbeiten. Bilder von Rauch und Feuer, von Blaster Schüssen und roten Eiskristallen, die einst den Kopf eines Mannes darstellten, manifestierten sich und ein rotes Augenpaar voller Sorge, voller Entsetzen.

Liegen bleiben. Ja. Er lag. Im Moment wusste er noch nicht genau, in welcher Position er sich befand, denn das, was einst sein Orientierungssinn war, war nun ein Karussell und führte wiederum dazu, dass ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend aufstieg.
Dennoch begann ein kleiner, völlig unscheinbarer Gedanke in ihm zu gären. Irgendwo im Zentrum seines Schädels, neben all dem Schmerzempfinden, stieg dieser Gedanke aus einem Mikrokosmos auf, der fern ab jeden Verständnisses lag.
"Du lebst noch"..... Schmerz.
Denken war eine blöde Idee. Dennoch löste eben dieser eine Gedanke eine Abfolge von Automatismen in dem blauen Kopfgeldjäger aus. Trotz der Tatsache, dass jeder Gedankenimpuls augenblicklich mit einer Anzahl von Schmerzimpulsen quittiert wurde, fing er an nach und nach seine Gliedmaßen abzurufen.
Finger. Konnte er bewegen. Nicht weit, aber er konnte sie bewegen.
Füße. Konnte er ebenfalls bewegen. Gut. Der rechte Fuß schien ein wenig eingeschränkt zu sein, dass mochte aber an einer Beule oder Delle im Stiefelscharnier liegen.
Jetzt kam das schlimmste. Augen. Der Gedanke die Augen zu öffnen, zog sich wie in Zeitlupe dahin, bis endlich die Schwärze durchbrochen wurde und milchig weißes Licht dazu führte, dass eine weitere Explosion sein Großhirn zu Mousse verarbeitete.
Arghs.... entglitt es seinen Lippen, als er die Augen wieder schloss. Er konzentrierte sich erneut auf das Öffnen der Augen und stellte sich innerlich darauf ein, bald nichts mehr zum Denken im Schädel zu haben, sollte das, was er als Hirn bezeichnete, weiter so durch den Fleischwolf gedreht werden.
Gedacht....getan. Langsam durchbrach der weiße Schein von Licht die Dunkelheit und er erblickte .... eine strukturierte Maserung. Leicht rautenförmig griff ein Teil in das Andere, mit tiefen Rillen dazwischen. Braun und Schwarz.
Borke. Es musste die Borke eines der Oro-Bäume sein, die zwischen den Felswänden hingen. In weiteren Sekunden, die für Chrondor wie eine Ewigkeit schienen, überlegte er, ob er es wagen sollte, den Kopf etwas zu bewegen.
Nach gefühlten Stunden, veränderte er seinen Blickwinkel etwas und konnte nun erkennen, dass er bäuchlings auf einem Baum lag. Eine Bewegung erregte seine Aufmerksamkeit. Doch was war es? War es der Felsen, der sich nun anfing auf ihn zu stürzen? Er schloss erneut die Augen, denn diese Vorstellung war zu absurd.
Nach einem weiteren Augenblick, der ebenfalls für ihn wieder wie Stunden wirkte, öffnete er erneut die Augen und sah durch den Nebel seiner Wahrnehmung eine Gestalt auf ihn zu kriechen.
Sollten sie ihn holen kommen, es war ihm in diesem Moment völlig egal und er schloss erneut die Augen.
Nach weiteren, für ihn wirkenden Ewigkeiten, schaute er erneut in die Richtung und sah die blaue Gestalt nun ganz nah.
Er kannte sie und in dem Nebel aus Alarmsignalen seines Verstandes, formte sich ein Name....doch greifen konnte er ihn noch nicht. Was würde die Gestalt von ihm wollen?
Dann war sie ganz nah und er sah mit halb geöffneten Augen in ihre Augen. In diese wunderschönen, roten Augen, die ihn voller Sorge, voller Mitgefühl musterten und ihn schoss der Name durch den Kopf: Myllisthra. Snips. Sein blauer Schatten. Seine Achillesferse. Sein schwacher Punkt. Er fühlte ihren warmen Atem auf seiner Wange, hörte ihre sorgenvollen Worte und roch diesen süßen, betörenden Duft, der von ihr ausging. Ihre Berührung durchzuckte ihn, wie ein elektrischer Schlag, bevor sich von ihrer Hand ausgehend, Wärme und Ruhe durch seinen Körper ausbreitete.
Er schloss erneut die Augen und Dunkelheit umfing ihn.



Alderaan .... irgendwo in einer der Imperialen Krankenstationen....einige Zeit später



Wärme umschloss ihn und er hatte das Gefühl, er würde schweben. War er zurück an der Stelle, wo ihn der republikanische Paramedic vom Himmel holte? War er wieder an der Stelle, wo der Kampf zwischen Schwerkraft und Technik an den Planeten ging?
Nein, dazu war das, was um ihn herum war zu.... dick, zu greifbar, zu wenig Luft. Langsam öffnete er die Augen und versuchte sich zu orientieren.
Chrondor schwebte tatsächlich, allerdings in einem Bactatank. Verschiedene Kabel und Schläuche führten von ihm als Mittelpunkt des Tankes zu den Wänden und zur Decke. Dieses Zeug war schon seit Jahrhunderten die Universallösung für mechanische Verletzungen aller Art. Bacta konnte Verbrennungen ebenso gut heilen, wie Knochenbrüche. Es war schon ein Wundergemisch, aus verschiedenen Bakterien.
Er kannte die genaue Zusammensetzung nicht, aber er wusste, dass es den Bakterien egal war, ob nun ein Mensch, ein Chiss oder ein TaunTaun verwundet war. Sie heilten einfach alles.
Durch die dicke Flüssigkeit, konnte er ein paar Gestalten in einem klinisch weißen Raum umherlaufen sehen und musste Lächeln, als er Snips sah.
Er wusste nicht, wie sie ihn hier her geschafft hatte -zumal er nicht mal wusste, wo das "hier" eigentlich war. Dennoch fühlte er ihre beruhigenden Worte, die ihm vermittelten, dass er hier sicher war. Wirklich reden konnte er nicht, da ihn ein Schlauch mit der zwar notwendigen Atemluft versorgte, aber eben daran hinderte zu sprechen. Lange würde er wohl nicht mehr hier drin sein, da er aus eigener Erfahrung wusste, dass das Aufwecken des Patienten meist kurz vor dem extrahieren aus dem Tank lag.
Er berührte die Plexiglas Scheibe und sah, wie sie ihre Fingerspitzen an die seinen legte....
Dann wurde er auch schon aus dieser Wärme gezogen und die Realität schien ihn schlagartig wieder einzuholen......


[...tbc]