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Möglichkeiten (Kurzgeschichte, Sith)

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Möglichkeiten (Kurzgeschichte, Sith)

Brino's Avatar


Brino
12.13.2011 , 08:07 AM | #1
Rot...
Die ersten Strahlen des Zentralgestirns brechen an den ausgefransten Enden der Wolkendecke über unseren Köpfen durch, und lassen den Himmel von Dromund Kaas wie eine Glasschüssel voller grau gescheckter Steine wirken, die man mit den trüben Körpersäften irgendeiner langweiligen Spezies zu Waschen versucht. Kaleel ist sichtlich angespannt. Sein Blick wischt von unserer Bank aus fahrig über den noch menschenleeren Platz, und die Schultern unter seinem Gewand sind so sehr angespannt, dass selbst ich schon ein leichtes Stechen in meinem Rücken verspüre. Die Banner über der Stadt wiegen sich Morgenwind und werfen sternförmige Schemen auf den Grund, und das das diffus durch sie brechende Licht in der Farbe reifer Äpfel färbt den nackten Beton zu unseren Füßen in einer Art, dass ich spontan Lust auf saftiges, frisches Obst bekomme. Obwohl mein Padawan heute ein paar grauer Handschuhe aus Synthweave trägt, die das Zittern seiner Hände sowohl vor mir, wie auch vor ihm selbst verbergen sollen, würde ich schwören, dass die Haut über seinen Handknöcheln so weiß und zum Zerreißen gespannt ist, wie seine Lippen spröde und trocken sind. Er ist hier, um heute zwei wichtige Lektionen, über die Natur der Sith und deren Codex zu lernen – und ich werde sie ihn lehren.
>>Meister...<< Er richtet zwar sein Wort ungefragt an mich, obwohl er sich auf die Umgebung konzentrieren soll, aber wagt es zumindest nicht, mich dabei anzusehen. >>Meister – glaubt ihr wirklich, dass die republikanischen Spione genau heute Morgen hier vorbeikommen werden?<< Seine Unsicherheit steigt wie ein klebriger, feucht-warmer Nebel von ihm auf und es wundert mich beinahe, dass nicht die ersten Akk-Hunde aus dem Dschungel zu uns auf den Platz geströmt kommen, um das waidwunde Reh neben mir zu reißen. >>Die Sektion für innere Sicherheit hat die Informanten dieser Spitzel bestochen, mein Schüler. Genau heute Morgen sollen sie auf exakt diesem Platz erscheinen, um einen Piloten zu treffen, der sie vom Planeten befördert.<<
>>Ja, Meister, ich habe bei dem Briefing mit dem Commander zugehört<< versucht er gereizt und lässig zu erscheinen.
Ich ignoriere ihn.
>>Und jetzt verlässt sich der Commander dieser nicht gerade kleinen Abteilung hier auf Dromund Kass darauf, dass wir Sith diese Spitzel ausfindig machen können – das bedeutet: Ich verlasse mich auf Deine Fähigkeiten, diese Spione aufzuspüren.<<
>>Es ehrt mich natürlich Meister...<< beginnt er schwitzend und mit geweiteten Pupillen nach Ausflüchten für sein Versagen in dieser Mission zu suchen, die nicht einmal wirklich begonnen hat. >>Es ehrt mich, dass ihr so ein großes Vertrauen in meine Fähigkeiten setzt, aber wie soll ich die Spione denn überhaupt erkennen, wenn sie hier auf dem Platz erscheinen? Ich meine, die Republik wird doch mit Sicherheit keine Schwachköpfe hier ins Herz des Imperiums schicken.<< Kaleel windet sich unter der Last dieser Aufgabe, die ich ihm gestellt habe. Ich lächele betont weise und deute mit dem Zeigefinger auf die wallenden, übermannshohen Stoffbahnen, die wie aufgeblähte Segel die Häuserfassaden um unsere Bank herum säumen. >>Was siehst Du?<< Mein Padawan hält in seiner nervösen Suche nach unseren Zielen inne und überlegt nun ebenso angestrengt und mit wippenden Füßen auf dem Boden eine möglichst zufriedenstellende Antwort auf diese offene Frage. Schüler hassen offene Fragestellungen ohnehin schon über alle Maße, weil ihre Antworten darauf niemals dem perfekten Bild der Antwort, das ihr Lehrer im Kopf hat, entsprechen können. Umso mehr hassen Schüler diese Art der Fragen jedoch, wenn sie wissen, dass ihr Mentor sie ihnen lediglich gestellt hat, um ihnen ihre eigene Unwissenheit zu demonstrieren – und ihre Aufmerksamkeit von den ersten Menschen, die an diesem schönen Morgen langsam auf dem Platz eintrudeln abzulenken.

>>Ich sehe den schwarzen Stern des Sith-Imperiums, Meister. Sechs Pfeile gehen von diesem Punkt dort aus und lassen das Wappen vor dem roten Hintergrund des Stoffes wie eine Sonne aussehen.<<
>>Eine Sonne, mein Padawan?<< frage ich in einem Ton, als hätte er mir eben gesagt, dass ihn das Wappen des Imperiums an sein Lieblingsgebäck oder ein veraltetes Modell von einem Weltraumflitzer erinnert. >>Aber, aber...<< gerät er ins Stammeln, und genau jetzt habe ich ihn an dem Punkt, wo er ins Rudern gerät, und nur noch versucht, meine Frage möglichst zu meiner Genugtuung zu beantworten und dabei die Menschen um uns herum vergisst.
>>Ja – Ja, natürlich, Meister. Eine Sonne, weil sich doch alles Leben und Sterben im Universum doch einzig und alleine nach dem Willen des Konzils und des Imperators beugt, und ihn umkreist, wie alle Planeten eine Sonne umkreisen müssen. Von ihm geht allein die Macht aus und alles andere verglüht in seiner Aurora...<<
>>Falsch!<<
Kaleel erblasst vollends und wirft unregelmäßig einen Blick mal über meine rechte, mal über meine linke Schulter. Als hätte er sich der gesuchten Spione erinnert. Dabei kann ich genau erkennen, dass er nach einem Fluchtweg sucht. Es wird Zeit, ihm die erste Lektion des Tages näher zu bringen.
>>Hör mir genau zu, denn ich werde es Dir nur ein einziges Mal erklären, Padawan. Ich spukte seinen Rang wie einen Pfirsichkern beseite. >>Diese Sonne, wie Du sie nennst, ist lediglich eine Allegorie, ein Sinnbild.<< Er starrte mich gebannt an, wie ein Mandala während einer Meditationsübung, die Schultern vor Furcht angezogen, sein Mund ein schmaler Strich im Gesicht und die Finger krallen sich in die Kante der Sitzflache auf der er wie festgeleimt ausharrt, Ich stehe abrupt von der Bank auf. Eine Welle aus Bürgern schwappt unwillkürlich vor mir zurück, als hätte ich einen Felsblock in die Mitte eines Sees geworfen, und viele der Menschen wechselen schnell auf die andere Seite des Platzes, um meiner Erscheinung mir zu entgehen. Nur drei besonders Mutige oder Törichte bleiben unbewegt von dieser Aktion. Doch Kaleel bemerkt sie nicht, und ich habe nicht vor, ihm einen weiteren Hinweis zu geben.
>>Der Punkt in der Mitte des Wappens ist das Vermächtnis, die Idee der Sith. Es ist nicht der Imperator auf seinem Thron, nicht der runde Tisch des Konzils oder die expansive Zerstörungskraft der zehntausend Schlachtkreuzer die Welten jenseits unserer Grenzen erobern, nein!<< Ich hielt inne. Kaleel hielt die Luft an. >>Sith, das sind nur wir...<< ich deutete mit meinem Zeigefinger erst auf ihn, dann auf mich >>...wir die wir dem Sith Codex folgen und uns von diesen Kreaturen, diesen Sklaven hier auf dem Platz erst abgrenzen, und letzten Endes abheben können.<< Ich erahne ein Nicken, von Kaleels Kopf, dessen Aufmerksamkeit zur Gänze nur noch an meinen Lippen hängt.
>>Und diese Pfeile die von dem Punkt ausgehen, Padawan, das sind die Möglichkeiten, die unser Codex uns in einer Unerbittlichkeit schenkt, die eben auch nur diejenigen verkraften können, die zur Gänze verstanden haben, worum es beim Sith-Sein überhaupt geht: Von diesem Punkt aus, von dieser Bank aus, wo Du – Sith – sitzt kann es für Dich in alle Richtungen des Universums gehen, denn Deine Befähigung zur Macht wird Dich überall hin tragen, wo Du es auch immer willst. Du kannst Tun und Lassen, und vor allen Dingen Denken was Deine Gelüste und Deine Vorstellungskraft Dir vorgeben. Solange Du nicht von jemandem, der mächtiger ist wie Du erschlagen wirst, bist Du frei.<< Er nickt immer häufiger und taut auch langsam aus der Erstarrung der Angst vor Bestrafung durch mich auf.
>>Du, Kaleel, bist das Zentrum dieses Banners, das dort oben vom Hochhaus hängt, Du bist ein Sith, Du bist soviel Freiheit, wie Du sie Dir selber nehmen kannst – soviel, wie Du annehmen kannst.<< In den Augen meines Padawans glimmen mit jedem meiner durch die Macht geschwängerten Worte Stolz, Lust und Eitelkeit auf, die entweder sein Urteilsvermögen auf Dauer trüben, oder ihn in dem Verständnis unseres Codex und in seinem Ehrgeiz um Monate voranbringen würden. Entweder ist er in wenigen Wochen ein würdiger Empfänger seines Lichtschwertes, oder von einem anderen Emporkömmling seines Lebens beraubt worden.
>>Gut...<< Ob dieses Wort aus meinem oder seinem Mund kommen, ist für mich in diesem Moment bedeutungslos, doch ich bin es, der sich auf der Bank niederlässt, als wäre es der gemütlichste Sessel auf Dromund Kaas, und in einen freimütigen Plauderton verfalle. >>Und damit auch ja niemand jemals vergessen kann, worum es bei all dem Pomp und Lärm im Imperium am Ende geht, haben wir diese Allegorie, die unsere Botschaft an das Universum ist, an jedem freien Flecken der Stadt, auf jeder Uniform, auf jedem Exportprodukt angebracht: Sith ist nur ein anderes Wort für Möglichkeiten, verstehst Du das jetzt, Kaleel?<<
Mein Schüler ist entspannt auf der Bank zurück gelehnt und lauscht beinahe gedankenverloren meinen Worten, während das Trippeln hunderter Füße und das Raunen und der Krach der morgendlich erwachten Stadt sich mit dem durch die aufbrechende Wolkendecke schimmernde Sonnenlicht wie eine warme Decke auf ihn und mich legt. Die erste Lektion hat er verstanden.

>>Doch warum, mein Schüler, ist dieses Symbol unseres Imperiums eigentlich in Schwarz gehalten, und wird auf einem roten Hintergrund abgebildet?<< Ich lasse diese Frage bewusst so klingen, als wäre mir die Antwort egal, doch innerhalb von wenigen Herzschlägen muss ich erneut mit Ansehen, wie er sich ratsuchend über die trockenen Lippen leckt und versucht, das Zittern seiner Hände hinter dem Rücken zu verbergen.
>>Ich, Ich...<< stottert er mich an, während ich mich gemächlich von der Bank erhebe. Die drei Gestalten, die eben nicht von mir gewichen waren, und ganz offensichtlich unser Gespräch belauscht haben umkreisen die Bank in einer Formation, dass ich für einen Moment schmunzeln muss: Die Akk-Hunde aus dem Großstadtdschungel haben die Witterung meines Schülers aufgenommen!
Die Macht lässt die Midi-Chlorianer in jeder Zelle meines Padawans zum aufschreien bringen und er versucht von der Bank zu springen. Doch leider war er wohl zu sehr auf mich und meine Ausführungen konzentriert, so dass seine Vorahnung zu spät in dem bewussten Teil seines Verstandes ankommt. Das dumpfe Schlagen von zwei Schockstäben auf seinen Körper und ein vergifteter Pfeil der gesichtslosen Attentäter lassen ihn vielleicht erahnen, worum es im zweiten Teil seiner Lektion heute gehen wird – wie es ihm heute ergehen wird. Er schreit vor Schmerzen auf, als die Batterien der Stäbe sich in ihn entladen, der Strom seine Muskeln über die Grenzen der Belastbarkeit anspannt, und das Brennen der chemischen Verbindungen ihn langsam hilflos wie ein Neugeborenes zusammensinken lässt. Ich gebe mir in diesem Augenblick Mühe so laut zu Reden, dass er mich selbst über sein eigenes Flehen und Kreischen hinweg verstehen können müsste. >>Unser Codex schenkt uns die Freiheit, diejenigen zu sein, die wir sein wollen. Doch unsere Natur, ist der Verrat, Kaleel. Der Verrat, merk Dir das! Schwarz wie das All, in dem es nur deswegen Licht gibt, weil ein paar törichte Sterne um ihr Überleben kämpfen wollen, und letzten Endes unterliegen werden, weil es ihre Natur ist. Schwarz wie die Unbewusstheit aus der sich nur die wenigsten überhaupt jemals erheben werden, weil sie nicht verstehen können, dass die alltägliche Angst das größte Geschenk der dunklen Seite ist, weil sie ihre Jünger wachsam und stärker werden lässt.<< Mein Schüler windet sich unter nicht tödlichen Schmerzen und wird zum Glück langsam heiser, so dass ich nicht mehr so laut zu reden brauche. >>Ich habe den Commander der inneren Sicherheit bestochen, Dir dieses gefälschte Briefing vorzugaukeln um Dir sogar noch eine Möglichkeit zu geben, diese drei Agenten in der Masse aufzuspüren, doch Du hast Dich von mir ablenken lassen – Du hast Dich von Deiner Furcht vor der Bestrafung ablenken lassen, obwohl es noch nicht einmal eine wirkliche Bedrohung gegeben hat. Nennst Du das Freiheit?<<
Er wimmerte irgend etwas in meine Richtung, ich wertete es als Laut der Zustimmung und fahre fort. >>Ich werde Dich so stark und hinterhältig machen, mein Padawan, dass Du irgendwann in der Lage sein wirst, mich zu übertrumpfen, wenn ich es am wenigsten erwarte. Denn das Rot da oben auf unserem Banner ist das Blut der vielen Schwachen die auf dem Weg der Wenigen zur Größe hin zurückgeblieben sind, Kaleel. Du willst eine Sonne in diesem heiligen Symbol sehen? Dann strahle gefälligst so hell dass die Fliegen und Motten aus der ganzen Galaxie zusammenkommen um sich auf Dich zu stürzten, weil Du Dir den Titel des Dark Lord of the Sith verdient hast.<<
Mit einer Handbewegung verscheuche ich die Handlanger aus der inneren Sicherheit und lasse Kaleel die nächsten Minuten mit seiner Pein noch eine Weile dampfend und weinend auf dem Boden liegen, während ich es mir wieder auf der Bank bequem mache. Er zuckt, zittert und schluchzt sicherlich eine Viertelstunde der Standartzeit lang, bis die Macht sich langsam wieder seiner annimmt. Dann hämmert er in einem Ausbruch der Rage so lange auf den Beton ein, bis seine Handschuhe durchgewetzt sind, und die Haut über seinen Knöcheln aufgeplatzt ist. Sein Blick ist glasig, Gefäße in seinen Augen ergießen sich in das milchige Weiss seiner Augäpfel, und seine spröden Lippen sind zerbissen. Sein Anblick und sein Wüten haben den Platz auf dem wir uns befinden wieder in eine menschenleere Zone verwandelt. Die Menschen sind vor ihm geflüchtet, wie vor einem Rancor, oder einem implodierenden Reaktorkern. Blicke des Entsetzens lugen hinter Sichtschotts hervor, und zu allen Seiten spähen zwischen den Lamellen der Wohnblocks die Augenpaare etlicher Bürger auf uns hernieder. Es stinkt nach Ozon und Schweiß, und dort vor mir steht er: Mein Padawan - Der Sith, der vielleicht eines Tages meine Nemesis sein wird und lächelt. Ein blutiger Faden läuft aus den seinem linken Mundwinkeln, doch er sieht Jahre älter aus, als noch vor einer Stunde. >>Wenn hier wirklich Spione auf dem Platz gewesen wären, mein Meister, dann hättet Ihr mit eurer Lektion für so viel Ablenkung gesorgt, dass sie hier unbemerkt ein Frachtschiff landen, und damit verschwinden können.<< Er röchelt, spricht, und jedes Seiner Worte enthält eine Mahnung. Ich nicke wissentlich, und verzeihe ihm heute diese Spitze in seiner Bemerkung.
>>Das war es wert.<<
Sometimes I believe that this less material life is our truer life, and that our vain presence on the terraqueous globe is itself the secondary or merely virtual phenomenon.
H.P. Lovecraft