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JemmrikKevrae's Avatar


JemmrikKevrae
12.30.2011 , 06:00 AM | #30
Es gibt die verschiedene Ansichtspunkte:

KOTOR wurde nicht als erstes von Bioware geschaffen. Es gab schon Comics etc., die vor BW's KOTOR tausende Jahre vor den Filmen stattgefunden haben. (Nomi Starrider, Ullic Qel Drom, Exar Kun z.b.) Wieso man das gemacht hat, ist einfach: Siedelst du dich als Entwickler, Romanschreiberling oder Drehbuchautor zu nahe an eine bekannte Zeit an, musst du Bezug auf alles nehmen, das mit deinem Werk zusammenhängt. Du kannst beispielweise nicht einfach so einen neuen Huttengangster neben Jabba hineindichten, ohne das a) mit wasserdichten Fakten zu belegen und b) ohne die Lizenz dafür erworben zu haben. Die Ansiedlung von 3000 Jahren vor den Filmen ist ein reiner Selbstschutz Biowares. Sie suchen sich eine nicht näher beschriebene Zeit im Star Wars Universum und können dort quasi alles hineinerfinden, was sie wollen, ohne mit der bestehenden Lore in Konflikt zu geraten. Dass es natürlich weiterhin authentisch bleiben muss, weil die Leute es sonst nicht als Star Wars empfinden, ist klar.

Hier kommen wir zu deinem angesprochenen Problem: Star Wars ist meiner Meinung nach weder Scifi noch Fantasy, sondern etwas eigenes. Zwar gibt es einen großen Mix aus futuristischen Elementen und altertümlichem Stoff aus Sagen, Schriften und noch vielen anderen Quellen (japanische Dramatik bspw.), aber es wird nichts, was es in SW gibt 1:1 aus dem Originalstoff übertragen. Königin Amidala trägt keine Krone, Jedi-Ritter tragen keine Schilde, die Feuchtfarmer stehen nicht auf dem Feld, sondern überlassen Droiden einen großen Teil der Arbeit. Der Geist und die Gesellschaft werden zwar eingefangen, aber immer so abgewandelt, dass sie sich stark von ihren Vorbildern unterscheiden. Es soll exotisch wirken, gleichzeitig aber nicht befremdlich. Was ich damit sagen will, ist das: Star Wars lässt sich keiner bekannten Kategorie zuordnen, da es seine Kategorie selber geschaffen hat. Jeder weiß, wie ein Jedi aussieht, weil ein Jedi nun mal eine Robe trägt. Warum er das tut, kann man aber nicht beantworten. Jedi tragen einfach Roben und über 99,9% der bewaffneten Bevölkerung laufen mit Blastern herum. Das sind Stilmittel, die geschickt miteinander verknüpft werden und dem Betrachter beim Zusehen lehren, wie er Dinge in dieser fremdartigen Welt wiedererkennen kann.

Es ist ein festgelegter Kanon, der nichts realem wirklich ähnelt. Ein Märchen, wenn man so sagen will. Einen weiteren Kanon zu schreiben, der 3000 Jahre vorher spielt, wäre möglich nur du müsstest dir entweder neue Stilmittel ausdenken oder dich an alten orientieren. Beispiel: Bioware hätte theoretisch allen Jedi nur Vibroklingen geben können und sagen können "Zu dieser Zeit gab es noch keine Lichtschwerter". Hätten sie das aber getan, hätten sie damit das Stilmittel Nummer 1 mit dem jeder von uns SW verbindet, herausgenommen. Ob die Leute so ein Spiel noch als SW empfunden hätten, wäre fraglich. Selbes gilt für die Blaster. Einfachere Projektilwaffen oder gar nur Energiebögen wie der Spanner von Chewbacca hätte man sicher einführen können, aber das wäre wie sich glaube ich alle einig sind nicht mehr SW. Man darf bei allem Fanboytum nicht vergessen: Die Geschichte von den Filmen ist nicht übel, aber ohne diese absolut herausragenden Stilmittel wie das Lichtschwert, den Blaster, den Schmuggler, den Sith, den Todesstern hätte SW niemals den Status der Franchise erreicht, den es heute darstellt. Star Wars macht die perfekte Mischung aus allem Möglichen aus.


Zusammenfassend liegt es nach meiner Meinung an diesen Faktoren, dass KOTOR und in Folge TOR so sind, wie sie sind:
  • Lizenzbestimmungen seitens Lucas Arts
  • Der Wunsch BWs möglichst frei in ihrer Auslegung des vorliegenden Kanons sein zu können
  • Der außergewöhnliche Aufbau der SW-Stilmittel und deren Verknüpfung