View Single Post

Asarea's Avatar


Asarea
07.17.2012 , 11:49 AM | #2
Vaiken Raumdock, Untere Ebene
Vier Tage später

Der Geruch erhielt fast eine Art Textur, als sie leise einatmete. Das dunkle, rauchige Aroma verbrannter Nahrungsreste ratterte über ihre Sinne wie ein Grubenfahrzeug über unebenen Boden einer Asteroidenmine. An klare, gefilterte Luft gewöhnt, erschien ihr dieser Gestank wie ein olfaktorischer Schlag ins Gesicht. Sie würde nie verstehen, warum Lebewesen Nahrung zubereiteten, sie aber dann nicht rechtzeitig von der Kochstelle nahmen, um sie zu verspeisen. Es war uneffizient, und gerade in diesem Teil des Raumdocks achteten die Leute für gewöhnlich auf ihren geringen Besitz.
Ciraste hatte einige Tage damit verbracht, ihre Zielperson zu beobachten. Sie mochte unangenehme Überraschungen nicht, und sie wollte sicher sein, dass sie nicht überrascht würden, wenn sie den Befehl ihres Meisters ausführte. Die angesammelten Informationen von einem unwichtigen Handlanger ihres Meisters beschrieben die Zielperson als ungesellig und launisch, doch lebte der Rodianer mit einer abgehalfterten Tänzerin zusammen, die inzwischen das magere Einkommen der Wohngemeinschaft mit Gelegenheitsprostitution aufbesserte.

So hatte sie ihn auch gefunden, und damit das traurige, schmutzige Loch, das den beiden als Unterkunft diente. Es war mehr ein Verschlag denn eine Wohnung, aus Plaststahlresten zusammengetackerte Wände, mit Lumpen und anderen leicht verfügbaren Gegenständen ausgeschmückt. Die unteren Ebenen des Raumdocks waren kein Ort, an dem etwas wie Hoffnung oder Freude Platz hatten. Hier strandeten diejenigen, denen die Credits ausgegangen waren und nicht mehr wegkamen, die sich mit ihren Gelegenheitsjobs nicht genug verdienen konnten, um auf einem Raumschiff Platz zu finden. Billige Arbeiter, um die man sich nicht kümmern musste, nur ein Quentchen vom Sklaventum entfernt.
Dass bisher noch kein Sith dorthin gegangen war, um sich alle der herumlungernden Gestalten als Sklaven unter den Nagel zu reissen, konnte auch nur am beklagenswerten Allgemeinzustand der Verlorenen liegen. Wer wollte schon einen Sklaven, der nicht viel mehr konnte als eben so am Leben zu bleiben, wenn es von überall her aus der Galaxis bessere Ware gab? Hier konnte man nur seltsame Formen des Dahinvegetierens finden, vielleicht noch seltene Mutationen von Geschlechtskrankheiten. Ab und an räumten die Behörden hier auch auf, hatte sie sich sagen lassen, doch die Verlorenen kehrten mit regelmäßiger Gewissheit wieder zurück.

Die Tänzerin schlug den schmutzigen Fetzen zurück, der die Türe des Verschlags darstellte, angemalt und aufgetakelt wie ein Schrottraumschiff, das zu einem zwielichtigen Händler gebracht wurde, um einem ahnungslosen Kunden angedreht zu werden. Zweifellos würde der ein oder andere stark trunkene Soldat oder Reisende mit einem besonderen Souvenir vom Vaiken Raumdock abreisen, das ihn solche Erfahrungen künftig würde meiden lassen.
Lautlos glitt die Chiss von jenem breiten Metallträger herunter, der ihr in den letzten Stunden der Beobachtungsposten gewesen war, und näherte sich dem Türfetzen. Man konnte den Rodianer von draussen bereits rumoren hören, Flaschen klirrten, er war wohl wieder auf der Suche nach ein wenig mehr flüssigem Vergessen. Mit der linken Hand schob sie das stinkende Stück Schmutz beiseite und ließ den Augen Zeit, sich an das Dämmerlicht im Inneren zu gewöhnen, bevor sie eintrat. Der Rodianer war so sehr mit seiner Suche beschäftigt, dass er die Besucherin nicht hatte kommen hören. Umso heftiger zuckte er zusammen, als er sich umdrehte und rotglühende Augen ihm entgegen starrten.

"Raus! Das hier is' meins! Ich hab' nichts und ich geb' auch nichts!" Taumelnd stürzte er auf sie zu. Es bedurfte keines besonderen Geschicks, den trunkenen Bewegungen des Rodianers auszuweichen, innerhalb kürzester Zeit keuchte er und verharrte unschlüssig, den Blick unsicher auf die Chiss gerichtet.
"Was wollt Ihr?"
Ciraste warf den Sack, den sie seit ihrer Ankunft mit sich getragen hatte, vor die bloßen Füße des Rodianers, die schon lange keine Schalldusche mehr gesehen hatte. Überhaupt stank es in dem kleinen Raum so durchdringend nach Schweiss und ungewaschenen Körpern, dass ihre Nase schlichtweg den Dienst verweigerte.
"Das hier gehört Dir. Ein Geschenk." Das Misstrauen im Blick des Rodianers war nahezu greifbar. Niemand schenkte einem wie ihm irgend etwas.
"Nimm es. Würde ich Dich tot sehen wollen, wärst Du längst vernichtet." Emotionslos gesprochene Worte, die den Rodianer zum Handeln animierten - vielleicht würde er auch bald seine Besucherin wieder los sein, wenn er in den Sack blickte. Umständlich öffnete er das Verschlussband, zog den darin enthaltenen Kasten heraus und öffnete ihn am seitlichen Verschluss.

"Nein!" Das zuvor grün-geschuppte Gesicht hatte merklich an Farbe verloren, als der Rodianer in den Kasten blickte. Ein handlicher Würfel Karbonit, auf dessen Vorderseite ein Gesicht zu erkennen war, von Überraschung verzerrt. Wie betäubt starrte der Rodianer in das auf ewig konservierte Gesicht, regelmäßige, einstmals schöne Züge einer unbekannten Frau. Dann stellte er den Kopf in Karbonit vorsichtig ab, atmete tief durch und stürzte sich mit einem wütenden Schrei auf die Überbringerin. Die Wut verlieh ihm Kräfte und eine Klarheit, die seinen vorherigen Rausch vergessen ließ, doch sein körperlicher Gesamtzustand war dem Geschick der trainierten Sith nicht gewachsen. Nach einem kurzen, verbissen geführten Handgemenge, in dem sie auf die Nutzung des Lichtschwerts verzichtete, lag der Rodianer schwer keuchend auf dem Boden, ihren rechten fuß auf der Brust.
"Ich bringe Dir eine Botschaft von Darth Saganis: Dies ist der Lohn für Deinen Verrat. Erinnere Dich daran, dass Du es warst, der durch seine Taten ihren Tod verursacht hat, niemand sonst. Erinnere Dich daran an jedem noch folgenden Tag Deines Lebens, in jeder Nacht, in jedem Augenblick. Hast Du Dich jemals gefragt, warum man Dir Dein Schiff nahm und das Spice im Laderaum fand?" Ein unterdrückter, dumpfer Laut rang sich aus seiner Kehle, doch er sagte nichts, starrte nur in die rotglühenden Augen der Chiss. Er war nicht nur geschlagen, sondern vollkommen gebrochen, das erkannte sie nun.

Langsam trat sie zurück, nickte ihm zu und ging in Richtung der Tür, um diesen unerfreulichen Ort endlich hinter sich zu lassen, die Gedanken auf den nächsten Besuch fokussiert. Warum Darth Saganis ausgerechnet sie gewählt hatte, um sein Vermächtnis auszuführen, war ihr nach wie vor schleierhaft. Mit einer Hand wischte sie den Dreck vom Oberschenkel, wusste aber, dass der Geruch nach Elend und Verzweiflung noch eine Weile an ihr haften würde. Am Besten, sie ließ alle Kleidungsstücke restlos recyceln.
Sie fühlte keine Genugtuung über das Schicksal des Rodianers, aber auch kein Mitgefühl. Dass Darth Saganis Stück für Stück seinen Lebensunterhalt, dann seine Hoffnungen zerstört hatte, lag an seinem Verhalten in der Vergangenheit. Sollte dies für sie eine Lektion sein, Verrat in jedem Fall zu bestrafen? Doch hatte der Rodianer ciraste nie verraten, sie verband mit dem für sie Unbekannten nichts - zurück blieb nur die Frage nach dem 'warum'. Und diese konnte sie sich noch nicht beantworten.
Haus der Schatten - Imperiale RP/PvE-Gilde auf Vanjervalis Chain
Infiltration, Informationsbeschaffung, Spionage - finde Deinen Weg in die Schatten!