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desercitus's Avatar


desercitus
04.11.2012 , 03:11 PM | #21
An den TE: Genau diese Problematik hat mir auch immer wieder Kopfzerbrechen bereitet.

Es ist in allen hier relevanten Quellen ganz eindeutig so dargelegt, dass Anakins Fall zur Dunklen Seite, sein Massaker im Jedi-Tempel und seine Treue zum Imperator eine Absage, eine Verneinung an sein Schicksal als Auserwählter darstellen, hier handelt er gegen die Prophezeiung.

Erst als er (aus mir unerfindlichen Gründen) Luke rettet, den Imperator vernichtet und zur Hellen Seite zurückkehrt, erfüllt er sein Schicksal und bringt die Macht ins Gleichgewicht.

Und an genau der Stelle frage ich mich: Wieso? Dass der Sieg der Hellen Seite eine Macht im Gleichgewicht bedeuten soll, kommt mir irgendwie billig und nicht ganz schlüssig vor. Wozu wurden denn sonst die Helle und die Dunkle Seite immer wieder als relativ gleichberechtigt dargestellt, als sozusagen zwei Seiten einer Medaille? Wäre eine Macht im Gleichgewicht eine Übermacht der Hellen Seite, dann wäre die Dunkle Seite nichts anderes als eine Abart, Perversion oder gar Schändung der Macht und schon gar nichts, was in dem Wesen der Macht enthalten wäre. Natürlich wäre das möglich, aber es fühlt sich nicht richtig an. Es zwängt dem eigentlich urteilslosen, nicht richtenden Natürlichen das Gewand des moralisch klar Stellung beziehenden, richtenden Guten über, das doch auch nur ein Extrem ist, eben ein Gegenpol zum Bösen. Damit wären auch die sogenannten "Grauen Jedi", zu denen manche Qui-Gon Jinn zählen, nicht die "grauen" Neutralen, sondern nur marginal besser als Sith. Jede Abweichung vom Pfad der Hellen Seite wäre ein Schritt ind die Dunkelheit, und Qui-Gons Entschlossenheit, Anakin zum Jedi auszubilden, obwohl die Gefahr, die von ihm ausgeht, offensichtlich ist, wäre ein Zugeständnis zur Dunklen Seite.

Übrigens: Es wird, glaube ich, auch immer wieder deutlich, dass die Macht auch vor Order 66 im Sinn der Filme im Ungleichgewicht ist, die Dunkle Seite hat mehr Einfluss. Da hat es wenig zu sagen, dass mehrere tausend mitunter enorm mächtige Jedi in der Galaxis herumstreunen und gerade mal zwei Sith. Das Zahlenverhältnis der Anhänger oder ihre Stärke in der Macht ist relativ irrelevant.
Die Jedi sind in ihren Bemühungen, Frieden und Ordnung aufrecht zu erhalten, immer erfolgloser, spektakulär gipfelnd in den Klonkriegen. Mit seinen politischen Ränkespielen, seinem galaxisgroßen Puppentheater nimmt Palpatine mehr Einfluss, als die Jedi es mit ihren tausenden Ordensmitgliedern vermögen, und sät Korruption, Krieg, Sklaverei, Leid und alle anderen Ausgeburten der Dunklen Seite mit großem Erfolg, noch lange vor Order 66. Natürlich schlägt hier die Waage stark zugunsten der Dunklen Seite aus, auch wenn es kaum Sith gibt. Die Jedi spüren das und suchen einen Auserwählten, der das zu bereinigen vermag.

Aber "ins Gleichgewicht bringen"? Ich denke "Star Wars: The Clone Wars" kann hier durchaus mitverwendet werden, da es in enger Kooperation mit George Lucas entsteht.
Wer also von Staffel 3 die Mortis-Trilogie noch nicht angetastet hat, erstmal nicht weiterlesen!
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Spoiler

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Doch diese Botschaft scheint unmöglich mit den Filmen zu vereinen, in denen Anakin die Macht ins Gleichgewicht bringt, indem er der Hellen Seite zum Triumph verhilft, das Pendel ins Gegenteil ausschlagen lässt.

So. Ich hoffe, irgendjemand macht sich die Mühe, das hier zu lesen, oder, noch besser, es zu kommentieren oder mir in meiner Ratlosigkeit weiterzuhelfen.

Möge die Macht mit Euch sein.
Möge die Macht Euch befreien.