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Iskarien
02.03.2012 , 12:42 PM | #2
Flammen im Eis


Knappe vier Stunden später standen Captain Erian Schäfer, und der junge Demios vor einem Eingestürzten Gebäude, das ihnen, und Einheit Delta, zu welcher sie sich hatten durchschlagen können, Schutz vor dem immer schlimmer werdenden Schneesturm bot. Einheit Delta bestand aus acht Mann, ursprünglich waren es 16 gewesen. Wie viele andere Imperiale Truppen hatten sie die Zahl der Rebellen unterschätzt die sich wie hinterhältige Mörder aus Zivilen Bauten auf sie gestürzt hatten. Soweit Demios die Funksprüche mithören hatte können, war der Befehl nun die Position zu halten, damit sich auch die anderen Einheiten dort sammeln konnten, bevor geschlossen auf eine der letzten Rebellenbastionen vorgerückt werden konnte. Und so langsam fragte sich Demios wirklich, wie er das angestellt hatte. Mit einer spontanen, wenn auch überlegten Handlung fand er sich nun mitten in einem Krieg wieder, auf dem er sich zu keiner der Fronten zählen konnte. Natürlich, Dakrat 8 war der Planet auf dem er die letzten Jahre gearbeitet, und Bekanntschaften geschlossen hatte, aber seine Heimat war es dennoch nicht. Und nun hatte er den imperialen Soldaten geholfen, und war dennoch keiner von Ihnen. Der Captain hatte sich mehrfach für die Feuerunterstützung bedankt, und war erstaunt darüber gewesen, wie gut der junge Mann mit dem Gewehr umgehen konnte, aber Demios hatte ihm erklärt, dass das von der Bedienung der Präzisionslaser in der Miene her kam.

„Die lassen sich verdammt viel Zeit…“ brummte ein kahlköpfiger Trooper, der sich einfach in den Schnee gesetzt hatte, um seine müden Beine etwas zu entlasten, während er an einem Zigarettenstummel zog, welcher hell aufglimmte. „Ja… eigentlich sollten sie schon hier sein.“ Meinte ein anderer. Und wieder ein anderer Griff zum mobilen Comlink Sender, den er mitgeschleppt hatte. Das Gerät war etwa so groß wie ein Kleinkind, und fünfmal so schwer, aber wie man ihm erklärt hatte diente es dazu, eventuelle Störsender zu übertönen, und Comlink-Kommunikation dennoch zu gewährleisten. „Vielleicht schaffen Sies ja, einen Statusbericht abzugeben. Sarge, hab‘ ich die Erlaubnis?“ Der „Sarge“ wie der Trooper seinen Vorgesetzten genannte hatte nickte bloß, ehe er weiter düster in das Schneegestöber hinaus starrte, welches eisig durch ihr aller Kleidung pfiff.
Es war schon sonderbar. Im einen Augenblick waren alle ruhig, wenn auch ungeduldig, und im nächsten scharte sich ein gutes Dutzend Trooper um einen Sender. Demios dachte gar nicht darüber nach, dass ihn das eigentlich gar nichts anging, als er sich dazustellte. Hinter den klobigen Rüstungen fiel er gar nicht weiter auf, weswegen ihn auch niemand wegschickte. „Der Feind hat sich in ein Höhlensystem zurückgezogen…“ rauschte die brüchige Verbindung, die dem Fluchen des Funkers zu urteilen nur in eine Richtung funktionierte. „Unerwartet raschen Rückzug… bleiben Wachsam. Irgend etwas stimmt hier nicht. Es riecht komisch, aber Sensoren melden keine Gefahr…“
Dann brach die Verbindung wieder ab. Vermutlich wegen dem vielen Gestein, dass den anderen Trupp nun umgab. Demios kannte diese Höhlen. Es gab zwei Sorten davon auf dem Planeten, die einen mit raren Metallvorkommen, und die anderen mit wertvollen Gasen. Sie führten bis tief in den Planeten hinein, wo es merklich wärmer war als an der Oberfläche. Die Umgebung dort unten war enorm empfindlich, wie er selbst vor einem Jahr schmerzlich feststellen musste, als bei einem Bohrunfall ein ganzer Schacht explodierte, und zwanzig Arbeiter in den Tod riss. Darum, hatte man ihm gesagt, war es so wichtig, dass die Schneidlaser immer penibel genau eingestellt waren. Und dann dämmerte es ihm.

Als die Farbe aus Demios‘ Gesicht wich, war es bereits zu spät eine Warnung auszusprechen. Eine Warnung, die ohnehin niemandem mehr geholfen hätte. Er musste wohl irgend etwas gesagt, oder gerufen haben, ohne es zu merken, denn plötzlich drehten sich alle zu ihm um, und als dann der Boden zu zittern anfing, wichen alle respektvoll zurück. Nicht vor Demios natürlich, nein, sie waren einfach nur erschrocken. Demios selbst war viel zu entsetzt, um sich überhaupt zu regen.
Niemand würde das tun. Niemand konnte das tun. Nicht einmal fanatische Rebellen. Er schüttelte innerlich den Kopf, wie ein kleines Kind, dass die Realität nicht haben wollte. Nein, das war einfach nicht möglich. Doch als der Boden wieder erbebte, und der Comlinksender für einen kurzen, grauenvollen Moment zum Leben erwachte, da wusste Demios, dass er die schreckliche Wahrheit akzeptieren musste.

Jemand hatte eine Bombe gezündet. In den so genannten Kernregionen. Er musste sich vorstellen, wie es all den Unschuldigen ging, die sich sicher in die Mienen verschanzt hatten, um den Kämpfen zu entgehen, und die nun von unbarmherzigen, lodernden Flammen umgebracht wurden, die durch die Explosion entfesselt wurden. Ihre Schreie waren in seinem Kopf, und er presste die Hände an die Augen, um die Bilder zu verdrängen.

Und dann, als er glaubte, der Schock könnte ihn nicht noch härter treffen, wurde ihm klar, dass auch sie in Lebensgefahr waren. Er, Schäfer, und Einheit Delta. Eine solche Detonation hatte das Potential, große Landstriche einfach einstürzen zu lassen, währen die glühend heißen, teils brennenden Gase aus dem Planeteninneren die Oberfläche verschlangen.
„Wir müssen hier weg!“ brüllte er, noch immer Leichenblass, und rannte los. Und erst als sich Captain Schäfer ihm anschloss, begriff auch der Rest, dass der Junge nicht verrückt geworden war, und dass man besser auf den Einheimischen hörte. „Wo rennst du hin, Junge?! Was ist überhaupt los?!“ brüllte Erian Schäfer im Laufen. „Weg! Einfach weg! Haben Sie Transporter?! Wir müssen weg! Die Explosion.. der Planet… wir alle… LAUFEN SIE!“ schrie Demios aus voller Kehle, und war sich sicher, dass auch er sterben würde.

Es war schon absurd. Da wollte er sein altes Leben beenden, und schon schien es endgültig vorbei zu sein. Doch seine Gedanken drehten sich nicht nur um ihn. Plötzlich waren die ganzen unwichtigen Bekannten die er hier gehabt hatte seine besten Freunde, und seine lästigen Arbeitskollegen wie Brüder. Der Schrecken, der ihnen angetan wurde löschte jede schlechte Erinnerung an sie aus Demios Kopf, und ließ ihn ein Entsetzen, eine Trauer spühren, wie er sie nicht gekannt hatte. Diese Menschen waren unwichtig für ihn gewesen, versuchte er sich zu sagen. Aber sein Verstand hörte nicht auf ihn.
Und dann war die Angst endlich wieder da, und spühlte seinen Kopf mit Adrenalin leer, um ihn schneller laufen zu lassen, während seine Lungen wie verätzt brannten, als sie immer wieder die eisig kalte Luft einsaugen mussten.
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